„Von der Arbeit abgehalten“

Zoff am Stendaler Schadewachten: Umbau zehrt an den Nerven

Links und rechts der Erdberge und auch dazwischen sollen die Emotionen mitunter hochkochen. Der Schadewachten ist seit Monaten eine einzige große Baustelle.
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Links und rechts der Erdberge und auch dazwischen sollen die Emotionen mitunter hochkochen. Der Schadewachten ist seit Monaten eine einzige große Baustelle.

Stendal – Eine Frau schimpft über Lärm und Dreck, ein älteres Paar kann nicht verstehen, warum ausgerechnet diese Baustelle von der Zeitung nun auch noch fotografiert wird.

Seit Februar haben die Arbeiter auf dem Schadewachten, der früheren Prachtstraße in Stendal, das Sagen.

Damit arrangiert und wirklich abgefunden haben sich offenbar längst noch nicht alle Passanten und Anwohner. Rathaussprecher Armin Fischbach riecht die Lunte und spricht ohne Umwege von „mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung in letzter Zeit“, die AZ hatte ihn in dieser Woche nach Überraschungen und Herausforderungen im Bauablauf befragt. Und weiter: „Einzelne Personen, die dort wohnen oder ein Gewerbe betreiben, haben starke Vorbehalte gegenüber der Baumaßnahme. Die Bauleute beklagten zuletzt, dass sie wiederholt am Morgen von der Arbeit abgehalten wurden. “.

Der Tiefbau läuft laut Stadt recht zügig. Die eigentlichen Straßenbauarbeiten folgen nächstes Jahr.

Viele Passanten ignorierten angelegte Wege, Umgehungen und Überwege. „Womit sie den Baufirmen die Arbeit erschweren“, schildert Fischbach weiter die Sicht der Stadtverwaltung. „Zuweilen setzen sich auch Kfz-Fahrer über die dort ausgesprochene Vollsperrung hinweg.“ Schon von Beginn an wurden die Arbeiter nicht überall entlang des Schadewachtens mit offenen Armen empfangen. Schon das Fällen der Straßenbäume im Vorfeld löste, wie damals berichtet, da und dort Unmut aus. Dabei kann der Stadtsprecher nun auch eine gute Nachricht übermitteln: „Die eigentlichen Bauarbeiten verliefen bislang reibungslos.“ Die Tiefbauarbeiten können voraussichtlich schon im Frühling abgeschlossen sein und nicht erst wie geplant später im Mai. Und natürlich: „Der Schadewachten wird ohne Wenn und Aber zum Sachsen-Anhalt-Tag 2022 fertig sein.“

Selbstredend blieben Unwägbarkeiten und Risiken, nicht zuletzt das Wetter müsse mitspielen. Nach dem Tiefbau beginnen die eigentlichen Arbeiten an der Straße, Arbeiter widmen sich Fahrbahn, Geh- und Radwegen. Die Ausschreibung sei in Bearbeitung, der zuständige Ausschuss werde sich Ende Januar mit dem Auftrag befassen. „Der Straßenbau wird schneller vonstattengehen als die Tiefbauphase“, weiß Fischbach nach Rücksprache mit dem Fachamt. Auf ein genaues Datum der Übergabe lässt er sich nicht festnageln. „Sobald die Baumaßnahme abgeschlossen ist, werden hoffentlich alle die Attraktivität dieser neuen Straße sehen können. Durch breitere Gehwege und ansprechende Plätze zum Verweilen soll der Publikumsverkehr angeregt werden.“ Vieles hänge aber natürlich auch von den anliegenden Unternehmern und deren Ideen ab.

Die Sanierung der Straße war mehrmals verschoben worden, einige Versorgungsleitungen waren mehr als 100 Jahre alt. Fischbach hat für die AZ noch einmal nachgeschaut, allein die Stadt hat für das Projekt etwas mehr als 3,2 Millionen Euro veranschlagt, es fließen in erheblichem Maß Fördergelder. Abwassergesellschaft und Stadtwerke lassen ebenfalls Arbeiten erledigen. An all das und mehr erinnert Fischbach und will noch einmal „um Vertrauen werben“. Er meint: „Wenn die Bauleute bei ihrer Arbeit behindert werden, provoziert das natürlich Fehler und Verzögerungen. Straßenbaumaßnahmen sind für alle Beteiligten eine große Herausforderung.“ Und weiter: „Für Betroffene ist eine Baustelle vor der Tür immer eine große Belastung. Allerdings ist die Sanierung alternativlos, wenn man das Stadtbild insgesamt aufwerten möchte.“

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