Unterhaltung und die Dürre

Zirkus-Wassershow sorgt für Wirbel: Stendalerin sieht wertvolles Nass verplempert

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Die Showhauptrolle scheint es nicht zu haben, Wasser braucht es dennoch, ein Flusspferd bei Voyage.

Stendal – Circus Voyage und seiner Wassershow schlägt vor dem Gastspiel im September Kritik entgegen.

AZ-Leserin Heike Engelmann fragt sich: „Wie die Stadt Stendal am Ende eines wiederum verheerend trockenen Sommers einem Zirkusunternehmen die Erlaubnis erteilen kann, in unsere Stadt zu kommen und solche gigantischen Mengen an Wasser zur Unterhaltung zu verplempern.“

Die Altmärkerin weiß von stolzen 150 Kubikmetern oder 150.000 Litern Wasser. „Europas größte Wasser-Show“, wie der Zirkus selbst ankündigt, sei alles andere, aber kein positiver Höhepunkt im Programm, findet Engelmann und sieht sich einig mit Anette Lenkeit (parteilos), die für die Bündnisgrünen im Stadtrat sitzt.

Das Wasser werde der Zirkus größtenteils aus dem öffentlichen Trinkwassernetz beziehen und auch bezahlen, habe die Stadtverwaltung der Stadträtin mitgeteilt. Nach einer mündlichen Sondernutzungserlaubnis im Frühjahr sei die schriftliche Bestätigung erst am 28. August erfolgt. Für Engelmann passt das alles nicht ins Bild und in den Sommer. „Ein Viertel der Menschen weltweit hat heute schon zu wenig Wasser. Nicht nur in Ländern Afrikas oder in Indien, sondern auch in Europa, etwa in Spanien, Italien und Belgien, wird es knapp.“ Sogar Regionen Deutschlands wie beispielsweise Brandenburg zähle das World Resources Institute (WRI) dazu. Zu diesem Thema hatte es kürzlich mehrere Medienberichte gegeben.

„Schaut man sich auf altmärkischen Feldern um, sieht man, wie dringend notwendig hier Wasser gewesen wäre und auch noch ist. Ein Landwirt erzählte mir, dass er von den im Zirkus verplemperten 150 Kubikmeter Wasser einen ganzen Hektar Ackerland mäßig bewässern könnte“, schreibt Engelmann der AZ weiter. Auf einem Hektar Land wachsen circa fünf Tonnen Getreide. „Wann begreifen wir endlich, wie kostbar unser Trinkwasser ist und dass wir unsere lebensnotwendigen Bäume und Äcker nicht mit Geld tränken können?“, fragt sich die Altmärkerin. Der Zirkus gastiert vom 12. bis 15. September in der Kreisstadt. Das Zelt schlagen die Mitarbeiter auf dem Schützenplatz auf.

Die 150 Kubikmeter Wasser aus dem öffentlichen Netz seien tatsächlich angemeldet, bestätigt Stadtsprecher Philipp Krüger. „Allerdings wird damit nicht nur die Wassershow selbst, sondern auch die Versorgung der Tiere und der Betrieb von sanitären Einrichtungen sichergestellt.“ Wegen der räumlichen Gegebenheiten auf dem Schützenplatz gebe es nur diese Möglichkeit der Wasserversorgung. „Eine Versorgung mit Wasser steht den genehmigten Veranstaltern in der Hansestadt grundsätzlich zu und wird auch ordnungsgemäß abgerechnet“, unterstreicht der Rathaussprecher auf Nachfrage der AZ. Bevor der Zirkus nach Stendal kommt, gastiert er nach eigenen Angaben in Parchim bei Schwerin.

„Stellt man den Wasserbedarf des Zirkus Voyage in Relation zu anderen Zirkussen, ist jedoch kein außergewöhnlicher Wasserverbrauch feststellbar“, führt Krüger gegenüber der AZ weiter aus. Andere Zirkusse ohne eine Wassershow hätten durchaus einen ähnlich hohen Verbrauch an Wasser. „Eine Entnahme in diesem Umfang ist letztendlich völlig im Rahmen des Üblichen.“ Und überhaupt: „Nach Aussage verschiedener Wasserversorger ist derzeit nicht mit einer Wasserknappheit im Landkreis Stendal zu rechnen. Es erscheint somit unverhältnismäßig, sämtlichen Schaustellern eine Absage zu erteilen, die einen für solche Veranstaltungen üblichen Wasserverbrauch aufweisen.“

Das Unternehmen mit Geschäftssitz in Hagen hat sich auf Anfrage der AZ bislang noch nicht zu den Vorhaltungen geäußert. Die Wassershow ist einer von zwei Programmteilen. Das Publikum dürfe sich unter anderem auf Ringtrapez, Hula-Hoop und Meerjungfrau freuen. Mehr als 80 Tiere gehören zum Zirkus. Unter welchem weiteren Stern das Gastspiel steht, muss sich zeigen. In jüngerer Vergangenheit gab es wiederholt Proteste von Tierschützern gegen Zirkusse. Misstöne kamen auch aus anderer Richtung. 2018 traten mit Charles Knie und Krone gleich zwei Top-Zirkusse in Stendal auf. 2019 fanden Rolandfest und das Gastspiel von Circus Probst zeitgleich statt. Kritiker sehen eine mangelnde Koordinierung der Stadt.

VON MARCO HERTZFELD 

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