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Zeynep: Martinshorn in Stendal fast ohne Pause

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein Abschlepper hievt in Stendal ein vom Baum getroffenes Auto auf die Ladefläche.
Da blutet vermutlich das Herz jedes Autofreundes. Eine Kastanie am Westwall in Stendal ist auf Fahrzeuge gestürzt. Glück im Unglück: Niemand ist dabei verletzt worden. © Hertzfeld

Nach Ylenia fegte Zeynep übers Land und Antonia dürfte folgen. Die Feuerwehren in der Hansestadt Stendal und im Landkreis können kaum durchatmen. Zahlreiche Einsätze sind bereits gefahren.

Stendal – Stendal und Landkreis haben ein stürmisches Wochenende hinter sich. Nachdem schon zuvor Ylenia übers Land gefegt war, folgte nun Zeynep. Wie stark Schwester Antonia die Gegend letztendlich treffen wird, muss sich zeigen.

Erst für Dienstag oder später sagen die Meteorologen eine Beruhigung voraus, die Sturmserie könnte erst einmal enden. Die Feuerwehrleute möchten es nur allzu gern glauben. Gerade der Freitag und Sonnabend forderten die Einsatzkräfte noch einmal besonders. Mitunter wollte das Martinshorn im Stadtgebiet gar nicht mehr enden, die Kameraden eilten von einem Ort zum nächsten. Bei 600 Sturmeinsätzen will man in der Rettungsleitstelle Altmark irgendwann in der Nacht zu Sonnabend aufgehört haben zu zählen. Es könnte demnach für die Region in die Tausend gehen. Eine genaue Bilanz ist für Wochenbeginn angekündigt.

Mindestens eine Plastiktüte hat sich in einem Strauch in Stendal verfangen und ist zerfleddert.
Der Sturm sorgt auch für fast geisterhafte Bilder. Mindestens eine Plastiktüte hat sich in einem Strauch an der Moltkestraße in Stendal verfangen. Das Ganze ist zerfleddert. © Marco Hertzfeld

Es waren vor allem umgestürzte Bäume, welche die Frauen und Männer der Feuerwehren an ihre Leistungsgrenze brachten. Entsprechend gefordert war auch die Leitstelle an der Wendstraße in der Kreisstadt. Dort laufen Hilferufe aus der gesamten Altmark auf. Pappeln knickten bisweilen um wie Streichhölzer. Am Sonnabendmorgen erwischte es ein Exemplar am Tiergarten und ein weiteres unweit am Berufsbildungswerk. Die Feuerwehr musste in etlichen Ecken der Stadt die Kreissäge aufheulen lassen, auch gehäuft, sodass einiges streckenweise an einen Baumfriedhof erinnerte. Wo keine weitere Gefahr drohte, wurde auf Zeit nur abgesperrt, zu umfangreich war die Liste der Einsätze. Mindestens einmal ertönte auch die Sirene. Vormittags krachte mutmaßlich eine Kastanie am Westwall auf mehrere abgestellte Autos. Dass niemand verletzt oder gar getötet wurde, allesamt haben aufgeatmet. Neben Feuerwehrleuten rückten unter anderem Mitarbeiter des kommunalen Bauhofes an. Die Aufräumarbeiten direkt auf und am Wall waren recht knifflig. Was an den Fahrzeugen noch zu retten ist, ein Fachmann wird es wissen.

Ylenia, Zeynep und nun noch Antonia?

Bilder von Schäden machten im Internet schnell die Runde, es gab Anteilnahme und vereinzelt auch recht quere Einordnungen und Kommentare. So wurde beispielsweise der Sturmschaden vom Westwall als „Klimagerechtigkeit-Anschlag“ tituliert, Bäume seien für eine autofreie Innenstadt und bereit, „dafür zu sterben“. Zeit für eine Beschäftigung damit hatten die Einsatzkräfte nicht. Die nördliche Breite Straße wurde abgesperrt, Steine und andere Teile vermutlich vom früheren Uppstall-Kaufhaus hatten sich gelöst und waren heruntergefallen. Vorsicht war auch vor einem leer stehenden Haus an der Bahnhofstraße geboten, die Feuerwehr machte den Fußgängerbereich dicht. Von Dach und Fassade hätten sich Teile gelöst, hieß es vor Ort. Zeynep mischte Land und Leute auf. Umgestürzte Zäune, zerstörte Werbetafeln und Ähnliches waren schon fast Nebensache.

Stendaler Feuerwehrleute sichern nach einem Sturmschaden an einem Gebäude einen Gehweg an der Bahnhofstraße.
Stendaler Feuerwehrleute sichern einen Gehweg an der Bahnhofstraße. Teile eines leer stehenden Gebäudes sollen herabgefallen sein. © Marco Hertzfeld

Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) hat der freiwilligen Feuerwehr für das Engagement bereits gedankt. Stendals Stadtwehrleiter Martin Jurga meldete am frühen Sonnabend schon einmal: seit Mittwochabend 98 Einsätze, 59 Stunden im Einsatz. Die Befehlsstelle Stendal sei mit acht Personen in einer Zwölf-Stunden-Schicht besetzt. Die Ortswehren befänden sich allesamt in Alarm- und Wachbereitschaft. Überwiegend gehe es um umgestürzte Bäume. Es habe aber auch Dachschäden, gerissene Stromleitungen, umgekippte Maste und einen Verkehrsunfall gegeben. Personenschäden seien im Einsatzgebiet der Hansestadt Stendal nicht registriert worden, auch keine verletzten Feuerwehrleute. Bei einem Einsatz im Sturm Ylenia war, wie berichtet, in Werben ein Feuerwehrmann schwer und einer leicht verletzt worden.

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