Förderverein sieht seinen Teil des Denkmals auf gutem Wege / Meinerts: Stadt will helfen

Ein Zerwürfnis teilt St. Gertraud

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Die Mitglieder Gabriele Küsel (v.l.), Gerd Flechner, Jutta Meinerts und Axel Junker reden in der Kapelle des früheren Hospitals über die nächsten Vorhaben. Das Bild darunter zeigt das Gebäude vor einiger Zeit vom Uenglinger Tor aus gesehen. Das Dach sieht inzwischen deutlich besser aus.

Stendal. Durch das frühere Gertraudenhospital geht ein Riss. Selbst der Denkmalschutz sieht den stadthistorisch wertvollen Komplex an der Osterburger Straße getrennt. Der westliche Teil gehört dem Förderverein, im östlichen hat ein einstiger führender Mitstreiter das Sagen.

„Es gibt immerhin wieder Gespräche zwischen uns, aber für eine echte Zusammenarbeit reicht es nicht“, gesteht Axel Junker gegenüber der AZ ein. Der Förderverein wähnt sich trotz allem auf einem guten Weg. „Das Dach ist dicht, die Kapelle hat 2015 neue Bleiglasfenster bekommen und nun ist der Eingangsbereich dran“, meint Vorsitzende Jutta Meinerts zufrieden. Und: Von der Stadt käme nun urplötzlich das Signal, bei der weiteren Sanierung doch in irgendeiner Form helfen zu wollen.

Der Förderverein wertet diese Botschaft als Frucht seiner Arbeit. Neben der Sanierung haben sich die knapp 20 Mitglieder kulturelle Arbeit auf die Fahnen geschrieben. Allein 2015 fanden 16 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 1000 Besuchern statt. „Für so einen kleinen Verein ist das eine Menge“, findet Meinerts. Das frühere Gertraudenstift liegt außerhalb der historischen Wallanlagen und damit des kommunalen Sanierungsgebietes. Auf Fördergeld brauchte die Organisation deshalb bislang nicht hoffen. Inwieweit sich das nun ändern könnte, bleibt abzuwarten. Junker: „Wir sind für jegliche Unterstützung dankbar, egal, ob Fördertopf oder nicht.“

Die mittelalterliche Malerei in der Kapelle freizulegen und der Öffentlichkeit präsentieren zu können, bleibt ein Ziel für die Zukunft. Vor einigen Jahren hatte eine Restauratorin erste Arbeiten an der Decke verrichtet und von der Qualität der Werke berichtet. Die neuen Fenster allein reichen nicht, um die nötige gleichbleibende Raumtemperatur zu garantieren. „Wahrscheinlich muss einfach eine richtige Heizung her“, meint die Vorsitzende. Zukunftsmusik. Erst einmal soll eine neue Tür im Haupteingang eingesetzt werden. Und neue Farbe müsse dort sicherlich auch an die Wand.

Die Geschichte des Komplexes ist eng mit der Familie von Bismarck verknüpft. Ein Angehöriger habe sich das im 14. Jahrhundert urkundlich erstmals erwähnte Gelände auch angeschaut, wollte aber in ein geteiltes Gelände nicht investieren. „Wir sind dennoch zuversichtlich, weiter voranzukommen“, glaubt Junker. Wie es zum Zerwürfnis mit dem einstigen Mitstreiter nebenan gekommen ist, dazu wollen sich die Mitglieder nicht äußern. Das Kulturprogramm für 2016 steht (siehe Kasten links).

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten unter anderem Sowjetsoldaten und DDR-Volkspolizisten das Ex-Hospital. Vor mehr als zehn Jahren hat die Nachwende-Treuhand dem Förderverein, der anfangs Denkmalpflegehof Stendal hieß, das Objekt überlassen.

Von Marco Hertzfeld

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