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Zerwühlt Isegrims Beute die Äcker?

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Von: Kai Hasse

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Jäger und Politiker bemerken zunehmend große und zerstörerische Wild-Gruppen. Eine Vermutung: Der Wolf ängstigt sie, deshalb rotten sie sich zusammen. Eine andere: Sie finden zu viel Futter. Fotos: dpa
Jäger und Politiker bemerken zunehmend große und zerstörerische Wild-Gruppen. Eine Vermutung: Der Wolf ängstigt sie, deshalb rotten sie sich zusammen. Eine andere: Sie finden zu viel Futter. © dpa

Stendal. Seit er da ist, steht Isegrim in der Kritik: Die Jagd auf Beute durch den Wolf bewirkt – neben gerissenen Nutztieren – auch einen indirekten Schaden. Das glauben zumindest die CDU-Landtagsmitglieder Detlef Radke und Guido Heuer.

Sie warnen im Zuge der Ausbreitung des Wolfs vor einer Zunahme landwirtschaftlicher Schäden – und zwar durch sich ängstlich zusammenrottende Beutetiere des Wolfes. Schützenhilfe bekommt der große Räuber aber auch: Schäden durch Beutewild entstünde nicht durch den drohenden Wolf, sondern durch das große Futterangebot auf den Feldern.

Der Gedankengang der Christdemokraten: Seit sie von Wölfen gejagt werden, suchen große Beutetiere Schutz in größeren Gruppen. Als große Gruppe ziehen sie dann durch Feld und Flur und richten, so Radke und Heuer, deutlich mehr Fraß- und Laufschäden auf den Äckern an. Das bestätigt auch Siegfried Holzinger, Sprecher der Jägerschaft Stendal. „Es wurden mittlerweile schon beim Schwarzwild Rotten von bis zu 90 Tieren gesehen“, sagt er. Noch ein Beispiel: „Im Raum Havelberg gab es kürzlich eine Gruppe von 150 Stück Rotwild in einem Rapsfeld. Sie können sich vorstellen, dass von dem Feld nicht viel übriggeblieben ist.“ Das sorge dann auch für finanzielle Einbußen bei Landwirten: Der Besitzer des Landes, der es für die Jagd verpachtet an Jäger, erwartet von diesem Jäger, dass durch ihn Wildfraß und Laufschäden verhindert werden. Nun habe es schon große Schadenersatz-Forderungen an die entsprechenden Jäger gegeben.

Ein Ausweg wäre laut Holzinger, dass Wölfe geschossen werden dürfen. Die Politiker Radke und Heuer fordern Entschädigungen für „mittelbare und unmittelbare Schäden, bedingt durch die stetig anwachsende Wolfspopulation.“

Dr. Peter Schmiedtchen von der Gesellschaft zum Schutz des Wolfs, der aus Dolle kommt, spielt den Ball aber zurück zu Landwirten und Jägern: Der Beweis, dass ausgerechnet der Jagddruck durch den Wolf dazu führt, dass sich große Gruppen bilden, sei nicht erbracht, sagt er. Vielmehr führten die agrarwirtschaftlichen Bedingungen dazu, dass der Wildbestand stark angestiegen sei. Es gebe beispielsweise durch Mais so viel Nahrung auf den Feldern wie nie. „Wir sehen mittlerweile im Herbst Wildschweinrotten mit Frischlingen. Wenn das Schwarzwild zweimal im Jahr Nachwuchs hat, liegt das daran, dass Feldfrüchte bis in den späten Herbst auf den Feldern stehen.“ Wenn dann Schäden auf dem Feld entstehen, liege das auch daran, dass Jäger bei dem hohen Wildbestand ihre Abschusszahlen nicht mehr bringen könnten.

Von Kai Hasse

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