Nach vier Wochen in der Rolandstadt

ZDF-Reporterin zieht Fazit: „Stendal ist das, was Du draus machst“

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Vier Wochen lang recherchierte Yara Hoffmann in der Rolandstadt.

Stendal – Vier Wochen lang recherchierte sie, sprach mit vielen Bewohnern der Rolandstadt: ZDF-Reporterin Yara Hoffmann hat in dieser Zeit einen kleinen, aber wie sie sagt doch recht intensiven Eindruck von Stendal bekommen.

Entstanden sind mehr als ein Dutzend Beiträge, die in der ZDF-Mediathek unter www. zdf.de nachzuschauen sind.

Erstmalig in dem Format „ZDF in...“, das vor Stendal auch schon in Cottbus, Mannheim und Bottrop Halt gemacht hat, hat die Reporterin für die Stendaler eine Sprechstunde angeboten, bei der Bürger Themen anregen konnten, die sie beschäftigen. Und das taten sie: „Es war immer proppenvoll“, lacht die 29-Jährige.

Dabei habe sie nicht den Eindruck gehabt, dass sich jemand in den Vordergrund drängen, sondern für seine Sache einstehen wollte. „Leider können wir in den vier Wochen nicht alle Themen umsetzen“, bedauert Yara, die, wenn sie mal grade nicht der Arbeit wegen unterwegs ist, in Magdeburg lebt. „Aber ich bin ja nicht aus der Welt.“

Themen, mit denen sich Yara in den vergangenen Wochen beschäftigt hat, waren etwa Kinderarmut und die niedrige Infrastruktur in ländlichen Gegenden wie Stendal. Auch mehrfach zur Sprache kam ein Motto, mit dem sich viele Altmärker identifizieren und das seit Kurzem auch Titel eines Buches ist: In the middle of nüscht.

„Viele Leute haben das Gefühl, sie werden hier übersehen. Stendal ist aber nicht nur einfach in der Nähe von Berlin oder Wolfsburg. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Charakter“, glaubt die junge Journalistin. Ein weiteres Thema hat die junge Reporterin in seinen Bann gezogen: „Ich war überrascht, wie viele Rückkehrer es hier gibt“, erzählt sie.

Die Menschen in Stendal hat Yara als herzlich, bodenständig und hilfsbereit wahrgenommen. Besonders gut funktioniere die Stadt als Netzwerk. „Wenn ich mit einer Person gesprochen habe, konnte die mir direkt drei weitere Kontakte vermitteln“, staunt sie. „Aber dass ich die Menschen so erlebt habe, wie ich sie erlebt habe, hängt natürlich auch mit der exponierten Stellung zusammen, die ich durch meinen Job als Journalistin habe. Ich bin hier schließlich nicht als Privatperson hergekommen“, merkt sie an.

Eine große Diskrepanz sieht Yara zwischen den Menschen in der Innenstadt und denen in Stendal-Stadtsee. „Ich habe das Gefühl, dazwischen steht eine Mauer“, berichtet sie. „Wieso kriegt man es nicht hin, die Leute besser zu integrieren?“

Doch Yara hat in ihrer Zeit in Stendal auch viel Positives erlebt: Eine Art Schlüsselmoment hatte die Reporterin kürzlich bei der Open Stage Night der Stendaler Musikerfabrik. Yara, die für ihr Leben gerne singt und eine klassische Gesangsausbildung hinter sich hat, war im Vorfeld von Musikschulleiter Frank Wedel gebeten worden, mitzumusizieren. „Aber nachdem wir von morgens um 9 bis abends um 11 gearbeitet haben, war ich einfach nur noch platt“, berichtet sie.

Doch das ließ der Musikschul-Chef nicht gelten und ermutigte die junge Frau, auf die Bühne zu kommen. „Er hat gesagt, ich sei für die Jugendlichen ein Vorbild, eine Art Freundin, und gleichzeitig auch der Schlüssel nach außen.

Dass sie stolz auf ihre Heimat sein könnten, mit der sie sich identifizieren“, berichtet Yara. „Das ging so eiskalt runter, weil mir da richtig bewusst wurde, dass meine Aufgabe so viel mehr ist als zu berichten.“ Der Abend endete natürlich auf der Bühne. „Wir haben gemeinsam gesungen, hinterher lagen wir uns alle in den Armen“, erinnert sich die Reporterin mit einem Lächeln auf den Lippen.

Yaras Fazit zu den vergangenen vier Wochen lautet: „Die Stendaler können stolz auf ihre Heimat sein. Natürlich gibt es auch hier Probleme, die man anpacken und keinesfalls ignorieren sollte, aber man hat hier durchaus Möglichkeiten sich zu entfalten“, meint die Reporterin und fügt hinzu: „Stendal ist das, was du draus machst.“

VON CHARLOTTA SPÖRING

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