116 unbegleitete Minderjährige im Landkreis / „enorm hoher Aufwand“

Landrat: „Zahl der Flüchtlinge wird sich weiter erhöhen“

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Unter den 1222 Asylsuchenden, die bis jetzt im Landkreis angekommen sind, befinden sich 694 Kinder. Eine Herausforderung bleiben auch die insgesamt 116 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge, die zurzeit in Havelberg untergebracht sind.

Stendal. „Bislang gehen wir von 85 neuen Flüchtlingen pro Woche aus. Diese Zahl der Zuweisungen wird sich meiner Ansicht nach im Dezember weiter erhöhen“, informierte Landrat Carsten Wulfänger (CDU) am Donnerstagabend auf der Sitzung des Kreistags.

Unter den insgesamt 1222 Asylsuchenden im Landkreis seien zudem 694 Kinder. „Das darf man nicht vergessen, dass mehr als die Hälfte der Flüchtlinge minderjährig sind. Das wird sich bei der Integration auszahlen“, so Wulfänger weiter.

Carsten Wulfänger

In den vergangenen fünf Wochen seien weiterhin 116 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im Landkreis angekommen. Diese würden momentan noch in den Räumlichkeiten der Havelberger Kreisverwaltung untergebracht, bis eine Alternative gefunden worden sei. „Die unbegleiteten Minderjährigen bedeuten auch einen enorm hohen Aufwand für das Jugendamt. Die Sprachbarriere lässt sich teilweise nur schwer überwinden“, sagte Carsten Wulfänger.

Die Zahl der Zuweisungen würde zudem anhand eines Verteilungsschlüssels bestimmt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) legt mit dem so genannten „Königsteiner Schlüssel“ die Aufnahmequoten für jedes Bundesland fest. Die Zuteilung hängt auch von den Kapazitäten der jeweiligen Landesaufnahme-Einrichtung ab. Außerdem behandelt nicht jede Außenstelle des BaMF jedes Herkunftsland. Für Sachsen-Anhalt beträgt die Aufnahmequote im Jahr 2015 laut dem Internetauftritt des Ministeriums rund 2,85 Prozent.

Das bedeutet für Sachsen-Anhalt knapp über 600 junge Asylsuchende ohne Erwachsenenbegleitung. „Der Landkreis Stendal wäre eigentlich nur für 35 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zuständig. Aber durch die Landesaufnahme-Einrichtung in Klietz ist die Zahl höher“, so der Landrat. Um die überschüssigen Jugendlichen werde sich noch gekümmert. In den nächsten Monaten seien darüber hinaus Sprachkurse „eine der wichtigsten Dinge“. Bislang hätte die Unterbringung der Flüchtlinge im Vordergrund gestanden. „Die Unterbringung für dieses Jahr ist gesichert. Wir müssen keine Betten in Sporthallen aufstellen“, berichtet Wulfänger. Problematisch würde sich allerdings auch die Unterbringung von Alleinreisenden gestalten, da Vermieter in der Regel Familien bevorzugen würden. Im Landkreis Stendal leben nach aktuellen Angaben insgesamt 2814 Menschen mit Migrationshintergrund. „Wenn ich, grob geschätzt, von 100 000 Einwohnern im Landkreis ausgehe, machen ausländische Mitbürger gerade einmal 2,8 Prozent aus“, relativiert der Landrat die Zahlen. 503 der Flüchtlinge leben in der nun voll gefüllten Gemeinschaftsunterkunft am Möringer Weg, 719 Menschen wohnen dezentral.

Von Mike Höpfner

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