„Zu viel Brot“

New Yorker Schüler John Paulo Tuano zu Gast in der Altmark

John Paulo Tuano (links) ist seit dem Sommer in Deutschland. Er ist das Austauschkind im Parlamentarischen Patenschafts Programm von Dr. Marcus Faber.
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John Paulo Tuano (links) ist seit dem Sommer in Deutschland. Er ist das Austauschkind im Parlamentarischen Patenschafts Programm von Dr. Marcus Faber.

Stendal/Osterburg – „Das Brot. Jeden Tag essen wir Brot, das ist Wahnsinn“, berichtet der junge Mann, der mit dem Parlamentarischen Patenschafts Programm nach Deutschland gekommen ist. Bereits seit über einem halben Jahr ist John Paulo Tuano in der Republik.

Bis er den endgültigen Platz für sein Austauschjahr gefunden hatte, ging jedoch noch ein wenig mehr Zeit ins Land.

„Im Sommer wusste ich noch gar nichts“, berichtet der 18-Jährige, der aus einem Ort im Bundesstaat New York stammt. Auch wenn er bei schwierigen Sätzen noch kurz nach Worten suchen muss, hat der einmonatige Sprachkurs in Hamburg offenbar seine Wirkung nicht verfehlt und ihn gut auf sein Jahr in der Altmark vorbereitet. „Er ist wirklich sprachbegabt“, bescheinigt ihm auch Gastmutter Romy Fischer. Neben Englisch, Französisch und Tagalog, der Sprache seiner Familie, die von den Philippinen stammt, ist Deutsch die vierte Sprache, die er beherrscht.

Romy ist glücklich mit ihrem Patenkind, zu dem sie wie die Jungfrau zum Kinde kam. Jetzt hat sie zu ihren eigenen Kindern, die zehn und sechs sind, noch ein volljähriges. Ursprünglich war er bei einer anderen Familie in Rohrbeck untergebracht, die jedoch der Ansicht war, dass er in einer Stadt besser aufgehoben sei. Nach einer Probewoche ist John nach Osterburg umgezogen. Mit dem örtlichen Bahnhof steht ihm dann die gesamte Bundesrepublik offen. Neben Hamburg hat er sich auch Stendal, Magdeburg und mehrfach Berlin angesehen. Ein Halbzeitcamp in München stand im Januar an. Seine Liste an Städten, die er noch besuchen möchte, ist mit Dresden, Leipzig, Köln und Frankfurt noch lang. Aber auch einen Wandertag auf dem Brocken wird er aushalten müssen, wie Romy ergänzt.

Ungewohnt ist für ihn vor allem das Essen. „Zu viel Brot“, ist sein eindeutiges Urteil. Aber das mache nicht alles deutsche Essen schlecht. Am besten sei jedoch der Döner. „Dann Schnitzel und dann dein Essen“, führt er seine Liste an Romy gewandt fort.

Insgesamt gefällt ihm Deutschland ganz gut. Jedem, der das Land besucht, empfiehlt er in Berlin ganz oben auf den Fernsehturm zu fahren. Das sei zwar etwas teuer, aber der Ausblick lohne sich. „Als ich herkam, dachte ich, die Deutschen würden ganz viel Bier trinken und Wurst essen“, berichtet er von seinen Befürchtungen. Das das mit dem Bier zumindest in Ausnahmefällen stimmt, hat er auf deutschen Partys erfahren. Bier trinkt er selbst nicht viel und der dabei typischen Après-Ski-Musik kann er auch wenig abgewinnen. Romy hat ihm mit Helene Fischer und Knorkator aber auch andere Varianten deutscher Musik gezeigt.

Dr. Marcus Faber (FDP) ist der Pate des jungen Mannes aus den USA. Kennengelernt hat er ihn aber auch erst im Lauf der Woche. „Deutschland ist nicht nur Berlin. Es gibt auch ländliche Räume“, erklärt Faber und findet es gut, dass Jugendlichen aus den USA nicht nur ermöglicht wird, die Austauscherfahrung zu machen, sondern auch die unbekannteren Seiten Deutschlands kennenzulernen. Auch wenn er im Alltag wenig mit John zu tun hat, sieht er sich dennoch in der Verantwortung für ihn. Zeigen würde er ihm gerne den Deutschen Bundestag. „Aber das Leben ist draußen.“

VON STEFAN HARTMANN

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