„Hochwasser-Demenz“ auf dem Elbe-Schutzwall in Osterholz Thema / Baustart im Frühjahr 2016

„Wollen wieder ruhiger schlafen“

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Dramatische Szenen vom 11. Juni 2013 am Osterholzer Deich zeigt Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf Bauamtsleiterin Simone Kuhlmann, LHW-Chef Burkhard Henning und Ralf Bergmann (r.).

Osterholz. „Die Bevölkerung drängelt“, legt Hohenberg-Krusemarks SPD-Landtagsmitglied Donnerstagvormittag auf der Deichkrone bei Osterholz dem Direktor des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) eindringlich ans Herz.

„Nicht, dass die Leute denken müssen, die linkselbische Seite wird vergessen“, lautet Ralf Bergmanns Botschaft an Burkhard Henning.

Der LHW-Chef kennt aber auch die „gewisse Stimmung des Vergessens“, und genau die – ironisch auch „Hochwasser-Demenz“ genannt – bereitet auch Idens Bürgermeister Kopfzerbrechen. Denn während sich auf der anderen Seite des Flusses im Abschnitt Sandau Nord seit April die Baumaschinen drehen, gehe entlang des insgesamt 60 Kilometer langen Wischedeichs immer mehr Zeit verloren. „Man kann die Leute besser zum Landtausch motivieren, wenn das Hochwasser noch nicht so lang her ist“, will Norbert Kuhlmann aufs Tempo drücken. „Deswegen sind wir hier“, bekommen der LHW-Direktor und sein Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf zu hören. Stirnrunzeln in der Runde herrscht auch, als Henning das halbe Dutzend stattlicher Bäume anspricht, die gemäß DIN-Vorschrift zu nah am Deich stehen und deshalb gefällt werden sollen. Am Sinn der Rodung teils wohl fast 1000-jähriger Eichen zweifelt auch Hohenberg-Krusemarks Bürgermeister Dirk Kautz. „Das haben unsere Altvorderen zwar anders gesehen“, verweist Henning darauf, dass durch die Bäume ein Deichversagen drohe.

Dabei seien die Eichen und deren prächtige Verwandte von den Vorfahren gepflanzt worden, um Schäden am Deich durch Eisschollen zu verhindern, gibt Kautz im AZ-Gespräch zu bedenken.

Nach dem derzeitigen Stand ist geplant, dass nahe Osterholz und am Wischedeich im Frühjahr 2016 Baubeginn ist. Gebaut werden soll auf einer Strecke von voraussichtlich 6,5 Kilometern. Die neuen Deichabschnitte sollen acht Meter hoch sein und einen Meter Freibord haben. Etwa 323 000 Kubikmeter Bodenmaterial sowie 21 300 Kubikmeter Pflaster werden gebraucht. „Wir bauen Deichkontrollwege, aber keine Fahrradwege“, stellt Henning klar. Erschwerend wirkt auch, dass der Deich sehr kurvenreich verläuft und dass es hydraulische Schwachstellen gibt. Beim letzten Hochwasser im Juni 2013 war der Deich „puddingweich“, erinnert Bergmann. Und fordert: „Die Leute wollen wieder ruhiger schlafen.“

Am Nachmittag erkundete die Runde den Elversdorfer und Bucher Deich. „Die Lage ist dort ähnlich, die Menschen warten“, sagt Bergmann der AZ.

Von Antje Mahrhold

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