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Wolfspädagoge Frost in Stendal: Der mit dem Wolfhund wandert

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Von: Marco Hertzfeld

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Wolfhunde stehen im Schnee in einem Gehege in Mecklenburg.
Ein Blick in das Gehege. Zu sehen ist kein Wolf und kein Hybride im eigentlichen Sinne. Mecklenburger Thomas Frost hält sogenannte Wolfhunde. Die anerkannte Hunderasse kommt mancher Spielart des Wolfs ziemlich nah. © privat

Thomas Frost folgt der Fährte des Rückkehrers Wolf und hält daheim den Wolfhund. Die Familie des Mecklenburger stammt aus Stendal.

Stendal – Berichte über Thomas Frost beginnen in der Regel damit, dass er sich für eine Kreatur mit ausgeprägtem Negativimage einsetze. Und in der Tat: Der Wolf hat es nach wie vor schwer, auch in der Altmark. Dass seine Arbeit für ein besseres Verständnis des Vierbeiners regelmäßig unter Beschuss gerate, möge doch bitte nicht unter den Tisch fallen. Der 37-Jährige ist vorrangig in Ostdeutschland unterwegs und hat den Tschechoslowakischen Wolfhund im Schlepptau. Wer es nicht besser weiß, könnte die Rasse schnell mit Isegrims Sippe höchstselbst verwechseln. In diesem Monat kommt Frost mit vier Schützlingen nach Stendal und bietet eine Wolfhundwanderung um den Tiergarten an. Im Mittelpunkt steht der Wolf, ganz klar. „Ich möchte Ängste nehmen und dafür Respekt verbreiten, denn natürlich ist der Wolf eines auch nicht, ein Kuscheltier.“

Von Waldmanager bis Problemwolf

Der Wolfspädagoge, wie er sich nennt, lebt in Mestlin, Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen ist er in Brandenburg, seine Familie stammt aus Stendal. Frost war Zeitsoldat, hat Werkzeugmechaniker gelernt und auch Erzieher, überhaupt liegen ihm Kinder am Herzen, nicht zuletzt die fünf daheim. Landauf, landab organisiert er größere Flohmärkte, auch auf dem Flugplatz in Borstel, momentan vornehmlich im Ostsee-Bundesland. Seine Aufklärungstouren stünden mittlerweile obenauf und würden vermehrt nachgefragt. Der Familienvater sieht darin ein positives Zeichen, der Wolf sei eben nicht Märchen und Fabel entsprungen und habe eine Zukunft. Frost will den Beutegreifer nicht bejagt sehen, ist aber nach eigenem Bekunden kein Jagdgegner. „Problemwölfe würde ich sogar selbst entnehmen.“

37-Jähriger fühlt sich angefeindet

Der Norddeutsche wird nachdenklich. „Ein Wolf, der ein Schaf reißt, ist für mich kein Problemwolf. Ein Wolf, der dem Menschen unnatürlich nahe kommt, ist ein Problem, nicht mehr und nicht weniger.“ Frost sieht im Wolf den „Manager des Waldes“, einen Bewohner, der „sich um alles kümmert, vor allem um sein Rudel oder besser, um seine Familie“. Mit sechs Jahren will er im Tierpark Berlin seiner Mutter abgehauen sein, Absperrungen überwunden, die Hand durch das Gitter gesteckt und Europäische Grauwölfe gestreichelt haben. „Das war unglaublich unvernünftig und falsch und doch ein Schlüsselerlebnis.“ Nachmachen solle das bitte niemand. Frost, der Mann mit altmärkischer Verwandtschaft, fühlt sich dem Wolf, der Natur, dem Ursprung, wie er es nennt, besonders verbunden.

Schlüsselerlebnis im Tierpark Berlin

14 Wolfsrudel sollen in Mecklenburg-Vorpommern leben, in Sachsen-Anhalt sind es noch einige mehr. Seine vier Wolfhunde bewohnen ein Gehege. Die Rasse hat ihren Ursprung in Kreuzungen von Deutschen Schäferhunden und Wölfen aus den Karpaten in den 1950er-Jahren und später. Frost hat sich vieles im Selbststudium angeeignet, er sei weder Mitglied im Nabu noch im BUND, auch einer Partei gehöre er momentan nicht an, engagiere sich politisch aber schon. „Ich möchte unabhängig sein.“ Dass er gar nicht so selten von verschiedenster Seite angefeindet werde, weil er den Wolf verteidige und „kein Zerrbild verbreite“, treibe ihn nur weiter an. „Wobei doch zumindest alle Menschen mit Hunden natürliche Verbündete sein müssten, stammt der Hund doch vom Wolf ab.“

Scout Frost will am 16. Februar, einem Mittwoch in den Ferien, in Stendal vom Wolf erzählen, auch und nicht zuletzt von Herdenschutz und Schutzzäunen. Die Wanderung mit den Wolfhunden startet um 14 Uhr vor dem Tiergarteneingang. Ein weiterer Termin in der altmärkischen Kreisstadt ist der 27. Dezember. Im Blick hat der 37-Jährige auch die Nachbarschaft, bereits am 4. März geht es nach Gardelegen, am 5. März nach Uelzen und am 25. Juni nach Magdeburg. Anmeldungen sind erwünscht unter Tel. 0174/4095706. Er freue sich auf die Wanderung und Fragen, auch kritische. Doch bitte: Gemeint sei ein Wolfhund und kein Wolfshund, das Fugen-s dürfe getrost beiseitegelassen werden. Wer es verwende, habe sich nur unzureichend mit allem beschäftigt. „Wenn es aber nur das allein wäre.“

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