Wohnen an der Autobahn: Stendaler Ratsfraktion will Verkehrskrach mit Mauer mindern

Ruhe mit „milden Maßnahmen“

Das Eigenheimgebiet im Stendaler Ortsteil liegt direkt an der Landesstraße 15, die als künftiger Autobahnzubringer gilt.
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Baugebiet Uenglingen soll Schallschutzwand bekommen.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Uenglingen – „Die Kosten sind nicht wägbar“, hat Stendals Stadtentwicklungsausschuss-Chef Mittwochabend im Rathausfestsaal die Debatte über die von der SPD-FDP-Ortsteile-Ratsfraktion geforderte Schallschutzwand für Uenglingens Eigenheimgebiet eröffnet.

Der voraussichtlich äußerst kostenintensive Wall zum Abschirmen von Verkehrslärm könne jedenfalls „nur abschnittsweise“ erfolgen, ist Dr. Henning Richter-Mendau (CDU/Landgemeinden) überzeugt.

„Mangelnde

Akzeptanz“

Das Häuslebauer-Areal soll erweitert werden, wofür die Rolandstadt schon seit zwei Jahren das Baurecht vorbereitet. Auf der rund 20 Hektar großen, stadteigenen Fläche sollen bis zu 27 neue Traumhäuser entstehen. Das Gelände liegt direkt an der Landesstraße 15, die als künftiger Autobahn-Zubringer gilt. Deshalb entstehe für „Bauwillige ein nicht einzuschätzendes Maß an eigens zu erbringenden Schallschutzmaßnahmen“, hat Dr. Herbert Wollmann (SPD) den Antrag begründet. Er befürchte sogar, dass das neue Wohngebiet ohne Schallschutz „mangelnde Akzeptanz“ erlebe.

Uenglingen hat durch das nach der Wende entstandene Eigenheimgebiet zu Spitzenzeiten fast 1200 Einwohner gezählt, nachdem der Ort Anfang der 1990er Jahre noch ein 230-Seelen-Dorf gewesen ist. Aktuell sind rund 850 Uenglinger registriert.

„Wir müssen prüfen, ob die Schallschutzanlage überhaupt notwendig ist“, vermisst Joachim Röxe (Linke/Bündnisgrüne) ein Gutachten, in dem Geräuschpegel festgestellt worden sind. „Die Autobahn geht ja auch nicht nur an Uenglingen vorbei, sondern zum Beispiel auch an Tornau“, sieht Anette Lenkeit (Linke/Bündnisgrüne) sogar weiteren möglichen Handlungsbedarf.

„Sinnvoll wäre

ein Sichtschutz“

Aus Sicht der Stadtverwaltung seien zur Lösung des Lärmproblems „milde Maßnahmen“ angezeigt, wie Planungsamtsmitarbeiter Stephan Pönack an dem Abend empfohlen hat. „Sinnvoll wäre ein Sichtschutz“, verweist der Zuständige auf eine amtliche Verkehrslärm-Schallausbreitungsrechnung. Anstatt einer Schutzwand, die „ein paar 100 000 Euro“ kosten werde, könnten Spezialfenster mit hohem Schalldämmwert eingebaut und „sensible Räume“, wie Kinder- und Schlafzimmer, nicht straßenseitig angeordnet werden, zählte er auf.

Dass dies helfen werde, glaubt Jürgen Schlafke (SPD/FDP/Ortsteile) nicht. „Ich wohne 500 Meter von der ICE-Strecke entfernt“, verweist der Börgitzer auf private Lärmerlebnisse. Gerade im Winter und wenn der Wind ungünstig wehe, fühle es sich an, als ob „der Zug durchs Wohnzimmer fährt“. Eine Schallschutzwand werde dem Uenglinger Baugebiet „nichts nutzen“, meint Schlafke. „Wenn die Mauer keinen Effekt hat, dann brauchen wir sie auch nicht bauen“, fasst Ausschussmitglied Röxe nach knapp halbstündiger Diskussion das Meinungsbild zusammen.

Behörde prüft

zwei Varianten

Das Gremium einigte sich dann mehrheitlich, dem Fraktionsantrag unter der Voraussetzung zuzustimmen, wonach zunächst erst einmal generell überprüft werden müsse, ob eine „Schallschutz-Bedürftigkeit“ überhaupt bestehe. Demnach werde für jede Ortschaft, die vom Verkehrslärm der künftigen Autobahn betroffen sei, ein Schallschutzgutachten erstellt. Momentan verfasse die Landesstraßenbaubehörde für den Bereich Uenglingen eine Kosten-Nutzen-Analyse. Geprüft würden für den künftigen Autobahn-Zubringer zwei Varianten, wobei eine Strecke nördlich an Uenglingen vorbeiführen könne, während die andere zwischen Uenglingen und Borstel verlaufen könnte, wie der Planungsamtsmitarbeiter an dem Abend mitteilt.

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