Ausschuss berät zu kostenfreien Bus- und Bahnfahrten für Schüler

„Wohin soll die Reise gehen?“

Ausschussvorsitzende Edith Braun nahm das mögliche kostenfreie Schülerticket auf die Tagesordnung, um einen Austausch vor der Sommerpause zu ermöglichen.
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Ausschussvorsitzende Edith Braun nahm das mögliche kostenfreie Schülerticket auf die Tagesordnung, um einen Austausch vor der Sommerpause zu ermöglichen.

Stendal – Die Schüler des Landkreises sollen künftig kostenfrei mit Bus und Bahn fahren können. Ein entsprechender Antrag, die Möglichkeiten dafür zu prüfen, der Fraktionen SPD und FDP/Bündnisgrüne/Landwirte wurde im November vom Kreistag beschlossen.

Auch wenn die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, hat Edith Braun (Pro Altmark), Vorsitzende des Schul-, Sport- und Kulturausschusses, veranlasst, dass das Thema noch vor der Sommerpause behandelt wird. Aufgrund der Corona-Krise habe der Ausschuss schon zu viel Zeit verloren, erklärte Braun. „Wir müssen jetzt wissen: Wohin soll die Reise gehen?“, sagte die Lüderitzerin.

„Wie könnte so ein Ticket aussehen?“, fragte der Zweite Beigeordnete des Landkreises, Sebastian Stoll (CDU). Darüber solle die Präsentation im Ausschuss ein wenig Klarheit verschaffen. Denn es könne sich bei ihr, wegen des aktuellen Bearbeitungsstandes, nur um eine erste Skizze handeln. Viele Details müssten noch abgestimmt werden. Überraschend waren die für das Projekt anfallenden Kosten: Rund 95 Euro kämen pro Monat und Schüler auf den Landkreis zu. In den Vergleichsbeispielen Rostock und Magdeburg liegen diese bei rund 30 beziehungsweise 37 Euro. In diesen gilt das Angebot jedoch lediglich für die Stadtgebiete, nicht die gesamten Landkreise.

Unklar sei unter anderem, wie eine Berechnung für Schüler ab der 11. Klasse ablaufen würde. Für diese ist, nach dem Schulgesetz Sachsen-Anhalt, eine Entlastung ab einem Eigenanteil von 100 Euro für die Schülerbeförderung, für die das Ticket ebenfalls genutzt würde, vorgesehen. In den aktuellen Plänen besteht die Möglichkeit auch nur für Schüler bis zum 18. Lebensjahr, die kein eigenes Einkommen haben. Dabei sei auch die Definition unklar, denn Schüler, die nebenher einen Mini- oder Nebenjob machen könnten dann vom Ticket ausgeschlossen werden. Dass eine kostenfreie Beförderung nur bis zum 18. Lebensjahr möglich sein könnte, stieß Braun sauer auf. Es gebe viele Gründe, wieso ein Schulabschluss erst danach erfolgt. Von Umzügen, Krankheiten oder Auslandsjahren gebe es viele unverschuldete Ursachen, die einer Schülerbeförderung nicht im Wege stehen sollten. „Die 18er-Regel muss gekippt werden, sonst ist es ungerecht“, forderte Braun dazu auf, dass mit dem Angebot niemand ausgegrenzt werden dürfe.

Sachkundiger Einwohner Horst Janas sieht im Projekt eine Stärkung des ländlichen Raumes und einen Beitrag zum Umweltschutz. Eltern müssten ihre Kinder weniger fahren und der öffentliche Nahverkehr würde besser gefüllt. Mit dem neuen Wissen sollten sich die Fraktionen beraten, sagte Braun. „Wir müssen Eltern unterstützen, dass es Spaß macht, im ländlichen Raum zu wohnen.“

VON STEFAN HARTMANN

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