Von Woche zu Woche

Matze, der Angler, macht es vor

Diese komische Altmark-Werbekampagne „Grüne Wiese“ hat doch was. Sie ist vorausschauend, brandaktuell und sollte nicht verteufelt werden. Da zeigt ein Plakat „Matze“, den einsamen Angler, am Arendsee.

Die Botschaft: Wenn Sie mal niemanden sehen wollen ... Genau so wird es kommen, wenn der Altmark, wie in dieser Woche angekündigt, Millionen gekürzt werden.

Das geht schon in der Kommunalpolitik los. Wenn die Gemeinden, Städte und Kreise kein Geld mehr haben – wer setzt sich da noch in die Nesseln, um sich als Ehrenamtlicher beschimpfen zu lassen, weil der Jugendklub geschlossen werden muss und der Eintritt ins Freibad teurer wird? Warum sollte man noch für die Gemeindeparlamente kandidieren, wenn man doch nichts mehr entscheiden kann? Ehrenamt heißt, für das Gemeinwohl tätig zu sein. Gemeinwohl kostet aber Geld. Wenn das nicht mehr da ist, gibts auch kein Gemeinwohl mehr.

Die Rede ist immer von den sogenannten „freiwilligen Aufgaben“ der Kommunen. Das ist die Unterstützung von Vereinen, von sozialen Dingen, von Kultur. All das stirbt wohl, wenn mit dem neuen Finanzausgleichsgesetz (FAG) die Zuweisungen vom Land so radikal gekürzt werden.

Das scheinen die Macher der „Grüne Wiese“-Kampagne offenbar geahnt zu haben. Denn was bleibt der Altmark dann noch? Alte Leute, die zu Hause sitzen. Vielleicht kommt das Stricken ja wieder in Mode. Junge Leute, für die es keine Angebote gibt. Vielleicht entdecken sie das Draußen-Spielen wieder und tun mehr für die Schule. Familien, die sich überlegen, ob sie wirklich in der Altmark bleiben wollen. Die Schulschließungen dieses Jahres sind wohl erst der Anfang. Wer will sein Kind schon frühmorgens um 5 Uhr in den Schulbus setzen ...

Am Wochenende mal eine Kulturveranstaltung besuchen – Fehlanzeige. Vielleicht besinnt man sich wieder auf die privaten Partys. Und auf Gartenarbeit. Das soll ja auch entspannen.

Oder man macht es wie „Matze“, der Angler. Man genießt die Ruhe und die Natur. Das ist es, das kann uns Altmärkern keiner nehmen: Ruhe und Natur. Wozu brauchen wir Jugendklubs, Freibäder, Kultur...

Wenn Sie also mal niemanden sehen wollen, sind Sie in der Altmark richtig. Denn etwas anderes können Sie hier bald sowieso nicht mehr tun. Und wenn wir doch mal jemanden sehen wollen, setzen wir uns alle neben „Matze“, den Angler“, an den Arendsee und trinken gemeinsam ein Bier auf unsere schöne Natur! Na dann – Prost!

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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