„Die Wirtschaft nicht gefährden“

Idee gegen Mobilitätsmangel auf dem Lande: Schulbus-Leerfahrten für Senioren anbieten

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Seit 30. Januar 2014 ist das Bürgermobil in Werben und Umgebung für Arzttermine und Einkaufstouren unterwegs. Am 8. Februar wird in der Osterburger Ortschaft Walsleben ein Bürgerbus übergeben. Das weckt Begehrlichkeiten bei den Nachbarn.

Arneburg-Goldbeck. Was seit vier Jahren in Werben über den Verein „Miteinander Füreinander“ als „Bürgermobil“ für Fahrdienste etwa nach Seehausen und Umgebung sorgt und am 8. Februar dank EU-Fördergeld als Pilotprojekt mit der Übergabe eines „Bürgerbusses“ in Osterburgs Ortschaft Walsleben in Fahrt kommt, wollen Damen und Herren des Klein Schwechtener Rentner-Clubs auch gerne für sich.

 Ebenso forderten Senioren aus Goldbeck, mit einer Mobilitätshilfe zum Arzt nach Iden oder zum Einkaufen nach Osterburg oder Stendal chauffiert zu werden, hört Landrat Carsten Wulfänger (CDU) diese Woche im Saal der Feuerwehr Klein Schwechten.

„Wir müssten die Leerfahrten der Schulbusse mehr nutzen“, macht Ex-Bürgermeisterin Gabriele Andert einen Vorschlag, den ihr der Inhaber eines Taxibetriebs in Goldbeck gesagt habe. Da die vorwiegend von Schülern genutzten Linienbusse nach der frühmorgendlichen Hinfahrt ungenutzt über die Dörfer zurückfahren würden, böten sich diese Leerfahrten für den Transport der Landgemeindebewohner an. „Das könnte eine zusätzliche Einnahme für den Landkreis sein“, schlägt ein Club-Mitglied vor, worauf die Ex-Bürgermeisterin dem Landrat mit Nachdruck sagt: „Der Bedarf ist ganz groß.“

„Wir müssen aufpassen, dass die Wirtschaft vor Ort nicht gefährdet wird“, hält Arneburg-Goldbecks Verbandsgemeinde-Chef entgegen. „Unsere Gewerbetreibenden dürfen wir nicht in Gefahr bringen“, verweist René Schernikau auf Fuhrbetriebe Werben und Goldbeck, deren Existenz bedroht werden könne. Auch der Aufwand sei groß. Nur durch „30 Freiwillige“ sei das im Oktober 2014 mit dem Demografie-Preis Sachsen-Anhalt ausgezeichnete Bürgermobil überhaupt fahrtüchtig.

„Das ist nicht stressfrei“, sieht auch Wulfänger das Problem der Konkurrenz der Bürgerbusse zu örtlichen Taxibetrieben. Angesichts der Nachfrage in den Dörfern wundere es den Landkreis-Chef, dass Rufbusse „nicht angenommen werden“.

Mit der kürzlich erfolgten Neuvergabe des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV), die ab August gelten soll, werde „das erste Mal Tarifrecht“ gewährleistet, verkündet der Landrat. Dadurch verteuere sich der Nahverkehr aber um eine Million Euro im Jahr. Vergeben worden sei ein Leistungspaket über acht Jahre mit einem Umfang von rund acht Millionen Euro pro Jahr. Die Fahrplanumstellung erfolge in den Sommerferien.

Von Antje Mahrhold

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