Risiko Mobiltelefon im Straßenverkehr: ACE Stendal testet Fußgänger am Winckelmannplatz

„Das ist wirklich lebensgefährlich“

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Die „Generation Kopf unten“ ist immer öfter in Unfälle verwickelt.

Stendal. Weil der Gebrauch von Mobiltelefonen immer mehr zum Risiko im Straßenverkehr wird, will ein Team des Stendaler Auto Clubs Europa (ACE) die aktuelle Lage in der Kreisstadt überprüfen. Im Visier der Verkehrswächter steht dieses Mal das Verhalten von Fußgängern.

In Köln gibt es bereits spezielle Bodenampeln, die nach unten schauende Fußgänger warnen.

„Finger weg“ nennt sich die Aktion. Als Ort für den aktuellen „Kontrollschwerpunkt“ wurde der Winckelmannplatz ausgesucht. „Dort, wo am 2. Juni eine Fußgängerin beim Überqueren der Bruchstraße tödlich verunglückte“, begründet Kreisvorsitzender Lothar Karcz. Zuletzt hatten sich Vereinsmitstreiter vor zwei Jahren an der Kreuzung am Nachtigalplatz für die Kampagne „Park dein Handy, wenn du fährst“ postiert. 39 Verkehrssünder, die am Steuer mit dem Mobiltelefon hantiert hätten, seien damals innerhalb einer Stunde nachmittägigen Berufsverkehrs gezählt worden. Weitere 34 seien vom ACE-Team dann nur wenig später in Havelberg gesehen worden.

„Niemand kann gleichzeitig Nachrichten checken und auf den Verkehr achten. Das ist wirklich lebensgefährliche Selbstüberschätzung“, betont der Kreisvorsitzende. Mit voraussichtlich vier Vereinsaktiven will Karcz am 7. August am Winckelmannplatz Strichlisten über das Fehlverhalten von Fußgängern führen, die zu sehr mit ihren Telefonen beschäftigt seien, während sie zugleich zu wenig auf den Straßenverkehr achteten. „Auch Kopfhörer sind ein Problem“, fügt Karcz hinzu.

Ein Blick außerhalb der Altmark offenbart, wie in vielen Teilen der Welt bereits auf das Smartphone-Risiko reagiert worden ist. So gibt es etwa in Stockholm schon spezielle Warnschilder, die Fußgänger auf die lauernde Gefahr aufmerksam machen sollen. Die Stadt Köln hat für die Generation „Kopf unten“ extra teure Bodenampeln installiert, die leuchten, wenn Straßenbahnen den Fußgängerüberweg kreuzen, damit alle Verkehrsteilnehmer, die gerade nach unten auf ihr Telefon blicken, vor der Gefahr gewarnt werden. Auch die Stadt Hayward im US-Staat Kalifornien hat Warntafeln aufgestellt. „Kopf hoch beim Überqueren der Straße, erst danach Facebook aktualisieren“, steht dort geschrieben.

Da die Ursache des Unfalltods der 81-Jährigen offiziell noch nicht geklärt sei, will Stendals ACE-Chef über den Grund nicht spekulieren. „Jeder zehnte Tote im Verkehr ist ein Fußgänger“, verweist Karcz lieber auf deutschlandweite Unfallzahlen. Grund sei neben Rotlichtmissachtung mit etwa 40 Prozent aller Fälle zunehmend aber die Tatsache, dass sich immer Fußgänger im Straßenverkehr abkapselten. „Mit Kopfhörern auf den Ohren und Blick aufs Smartphone können sie das Geschehen kaum wahrnehmen“, rät der Verantwortliche dazu, Augen, Ohren und Gedanken im Verkehr künftig wieder konzentriert der Straße zuzuwenden.

Von Antje Mahrhold

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