Asylbewerber-Erstaufnahme: Landrat kritisiert Standort

„Wir bauen ab und das Land baut auf“

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Carsten Wulfänger: „Unsere Verträge für Unterkünfte laufen im Herbst aus.“

Stendal. Mit einem Ansturm von Job-Interessenten für die geplante Erstaufnahme-Einrichtung an der Gardelegener Straße sieht sich Stendals Kreisverwaltung seit dem Kabinettsbeschluss von Mitte Januar konfrontiert.

„Die Leute melden sich beim Landkreis, weil sie in der neuen Flüchtlingsaufnahme arbeiten wollen“, hat der Landrat jüngst bei einem Treffen mit Bauern in Iden und Senioren in Klein Schwechten berichtet. „Das ist keine Kreissache“, stellt Carsten Wulfänger (CDU) klar und verweist auf eine Entscheidung, die in Magdeburg getroffen worden ist.

Demnach sollen die Hochhäuser des früheren DDR-Grenztruppenobjekts für 30 Millionen Euro so umgebaut werden, dass sie Platz für 1000 ankommende Asylbewerber bieten. Das Objekt soll bis 2020 fertig und damit neben Halberstadt eine von insgesamt zwei solcher Institutionen in Sachsen-Anhalt sein.

„Wir bauen ab, aber das Land baut auf“, wundert sich Stendals Landrat über die Standortentscheidung. Und verweist auf die jüngste Ausländerstatistik. Demnach seien aktuell circa 3300 Ausländer im Landkreis registriert. „Davon sind die Hälfte Ärzte in den Krankenhäusern der Region sowie Apotheker und Studenten an der Hochschule Stendal“, sagt Wulfänger.

In seinem Zuständigkeitsgebiet würden die meisten Verträge mit Eigentümern bisheriger Flüchtlingsunterkünfte im Herbst dieses Jahres auslaufen. Das sei etwa in Tangermünde, Bismark und Osterburg der Fall. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 190 Ausländer im Landkreis angekommen. 2015 waren es noch etwa 80 in jeder Woche. Aktuell kommen sie vorwiegend aus afrikanischen Ländern, deren Geografie selbst der Landrat oft erst auf einer Karte nachschlagen müsse, wie er sagte.

Die Flüchtlingsunterkunft an der Gardelegener Straße war noch vor Jahren für 1200 Plätze geplant gewesen. Seinerzeit war es auch noch das Ziel, das Objekt bereits Mitte 2016 in Betrieb zu nehmen.

Von Antje Mahrhold

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