Stendals Doppeljubiläum 2017/18 stützt sich auf ehrgeiziges Konzept

Winckelmann der Große: Stadt will Kasse machen

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Stendals großer Sohn Winckelmann blickt vom Winckelmannplatz aus auf Einheimische und Touristen.

Stendal. Stendals deutscher Vorzeigearchäologe Johann Joachim Winckelmann soll nicht mehr allein die Fachwelt entzücken, sondern auch das breite Publikum.

Mehr Touristen, mehr Prestige, mehr Einnahmen für Hoteliers, Gastronomen und Händler – die beiden Jubiläumsjahre 2017 und 2018 könnten wegweisend sein. Ein ambitioniertes Konzept der Winckelmann-Gesellschaft liegt vor, Stadt und Partner gründen eine Arbeitsgruppe, die in den nächsten Wochen die Aktivitäten festlegen und koordinieren wird. „Der 300. Geburtstag des großen Sohnes unserer Stadt fällt auf einen Samstag. Ein schönes Datum für einen Festakt“, blickt Rathaussprecher Klaus Ortmann erwartungsfroh auf den 9.  Dezember kommenden Jahres. Doch das soll längst nicht alles sein.

Stadtführer im Kostüm und Altmark-Helden

Im Tourismuskonzept ist die Rede von Winckelmann-Pfad, Geschichtenerzählern, in Englisch: Storytellers, kostümierten Stadtführern sowie weiteren berühmten Stendalern und Altmärkern wie Otto Reutter, Gustav Nachtigal, Jenny Marx und Otto von Bismarck. Die Verfasser sehen Verknüpfungspunkte in der gesamten Region, eine hohe Strahlkraft und großes Potenzial. Ähnlich dem Katharina-Pfad in Zerbst, der an die russische Kaiserin Katharina die Große mit deutschen Wurzeln erinnert, soll es in Stendal einen Rundgang mit festen Schautafeln zu der Zeit Winckelmanns geben. „Von der verstärkten Zusammenarbeit des Museums mit anderen Tourismusanbietern kann die Stadt Stendal und die ganze Altmark unmittelbar profitieren.“

„Event-Charakter“: Winckelmann tischt auf

Die als Winckelmann oder einem seiner Zeitgenossen kostümierten Stadtführer folgen einem Konzept, das bereits in Wittenberge sehr erfolgreich laufe. Es soll zudem kulinarisch ausgebaut werden. „Angedacht ist eine Verköstigung nach der Küche des 18. Jahrhunderts in der Altmark oder der Antike“, heißt es in dem Konzept. Die Nachfrage nach „touristischen Angeboten mit Event-Charakter“ sei momentan in Deutschland und darüber hinaus sehr groß. Möglich seien auch Tagesfahrten nach Osterburg, Seehausen, Salzwedel und in weitere Städte der Altmark. All dies halte Touristen länger in der Rolandstadt, was nicht zuletzt Hoteliers, Gastronomen und auch Busunternehmer freuen würde.

Ein Forscher fesselt: Erotik, Tod und Legenden

Winckelmann erblickte am 9. Dezember 1717 in Stendal das Licht der Welt und starb am 8. Juni 1768 nahe dem italienischen Triest an den Folgen eines Anschlags. Geburts- und Todestag bilden das Doppeljubiläum. Die Umstände seines Todes, dass ihm ein Zimmernachbar, ein vorbestrafter Mann, ans Geld wollte und mögliche Hintergründe der Tat, etwa erotische, trugen neben den fachlichen Leistungen zur weiteren Legendenbildung bei. Winckelmann fessele, begeistere, keine Frage. „Er ist Begründer der klassischen Archäologie und der modernen Kunstgeschichte, hat die archäologische Forschung als Wissenschaft grundlegend geprägt. Sein Bild der Antike hat die Literatur der deutschen Klassik und die europäische Kunst nachhaltig beeinflusst“, schwärmt Stadtsprecher Ortmann und verweist auf Winckelmann-Gesellschaft und Museum mit Prof. Dr. Max Kunze und Dr. Stephanie-Gerrit Bruer an der Spitze, die mit ihrer Arbeit Stendal sogar über Europas Grenzen hinaus bekannt gemacht hätten.

„Schwachgrünes Licht“ für Museumsumbau

Der Um- und Ausbau des Winckelmann-Museums (die AZ berichtete) ist Herzstück der Anstrengungen. Bis 2018 sollen insgesamt 2,3 Millionen Euro investiert werden. Die Stadt ist Trägerin und steuert zehn Prozent der Summe bei, den großen Rest trägt das Land über dessen Investitionsbank. Ortmann zur AZ: „Wir sind inzwischen sehr guter Hoffnung, was das Geld angeht. Für die Finanzierung gibt es mindestens schon schwachgrünes Licht.“ Bund und Land haben außerdem gut eine Million Euro für neue Ausstellungen avisiert.

Von Marco Hertzfeld

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