Europas „Krone“ zieht es 2018 nach Stendal / Rathaus: Zirkuskultur begeistert nach wie vor

Wildtiere in der Stadt willkommen

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In diesem Jahr gastierte „Circus Krone“ unter anderem in Magdeburg und hier in Stuttgart. Das Unternehmen ist nicht zuletzt bekannt für seine Raubtier- und Pferdedressuren. 

Stendal / München. „Circus Krone“ zieht es nach Stendal. Einer der größten Zirkusse Europas wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2018 in der Hansestadt gastieren. Das Unternehmen bereitet sich derzeit auf die Winterspielzeit in seinem Haus in München vor.

Der Tourneeplan für 2018 wird laut einem Sprecher des 1905 im Harz gegründeten Familienbetriebes Mitte Februar veröffentlicht. Es wäre nach 1930, 2005, 2009 und 2014 das fünfte Gastspiel in der Kreisstadt. Zwischen erstem und zweitem Auftritt lagen sage und schreibe 75 Jahre, zwischen viertem und fünftem sollen es nur vier sein.

Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen hat längst seine Fühler ausgestreckt. Allein schon bei der Jubiläumstour 2005 besuchten 38.000 Menschen die Vorstellungen in der Rolandstadt. Auch wenn die Münchner noch einmal eine ganz andere Hausnummer sind, sieht Rathaussprecher Klaus Ortmann keine besonderen Herausforderungen. Krone mit derzeit gut 250 Tieren und fast 400 Mitarbeitern wird wie andere Zirkusse auch seine Zelte auf dem Schützenplatz aufschlagen. Dort gebe es ausreichend Platz, Strom und Wasser. „Die Zirkuskultur ist regelmäßige Attraktion in der Stadt, wird gern gesehen und gut angenommen.“

Krone ist bekannt für seine Nummern mit Löwen, Elefanten, Nashorn, Flusspferd und weiteren Tieren dieser Art. Initiativen in Magdeburg und anderen Städten, Wildtiere in der Manege zu verbieten und Zirkussen, die Wildtiere präsentieren, zumindest keine städtischen Flächen zur Verfügung zu stellen, gebe es aus dem Stendaler Stadtrat nicht. Auch die Verwaltung plane diesbezüglich keinerlei Einschränkungen. Ortmann: „Hier wird allein nach geltendem deutschen Recht verfahren.“

Was im Zirkus erlaubt sein sollte und was nicht, spaltet die Meinungen. „Es werden Wände mit Parolen beschmiert, es gab auch schon Demonstrationen kleiner Gruppen.“ Grundsätzlich habe jeder das Recht, seine Meinung auch öffentlich kundzutun, im Rahmen der geltenden Gesetze. Ortmann klipp und klar: „Regelmäßig einen Zirkus in der Stadt zu haben, ist eine kulturelle Bereicherung, die wir in Stendal nicht missen möchten.“

Krone hat nach eigenen Angaben immer wieder einmal mit Kritikern zu tun, will das aber an dieser Stelle nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Die Tiere würden professionell gehalten und tierärztlich optimal versorgt. Der Zirkus reist mit dem Programm „Evolution“ nach Stendal. Die Hansestadt sei für das Unternehmen eine gute Adresse. Krone habe in der Altmark einen festen Stamm an begeisterungsfähigen Besuchern und wolle weitere hinzugewinnen. „Man kann von Eltern und Kindern nicht verlangen, 60 Kilometer und mehr nach Magdeburg oder Hamburg zu fahren, um uns zu sehen. Daher kommen wir auch direkt in kleinere Städte“, heißt es aus dem Tourneebüro.

Durchschnittlich gastieren im Jahr zwei Zirkusse unterschiedlicher Größe und programmatischer Ausrichtung auf dem Schützenplatz. Dazu kommen Gastspiele kleinerer Unternehmen auf privaten Flächen, beispielsweise an der Clausewitzstraße. Zirkus „Charles Knie“ wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 in Stendal gastieren, Zirkus „Paul Busch“ im ersten Halbjahr 2019. „Artisten, Tiere, Sensationen in der Manege begeistern nach wie vor viele Menschen“, ist der Stadtsprecher überzeugt.

Das Gastspiel eines Zirkus auf dem Schützenplatz ist gebührenpflichtig. „Dazu kommen natürlich wirtschaftliche Effekte, wenn Besucher von außerhalb vor oder nach der Vorstellung in der Stadt verweilen.“ Die sogenannte Sondernutzungserlaubnis könnte auch durchaus verweigert werden, insbesondere der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wegen oder aus städtebaulichen Gründen. Doch bisher musste laut Ortmann in Stendal noch keinem Zirkus die Genehmigung versagt werden.

Von Marco Hertzfeld

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