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Wilder Müll sorgt in Stendal für Kopfschütteln

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Feuerwehrschlauch liegt über einen haufen Müll, der auf Gras neben einem Weg verteilt ist.
Bei einem Brandeinsatz an der Bahnstrecke muss die Feuerwehr nicht nur einmal ihre Schläuche quer über Müllhaufen an dem landwirtschaftlichen Weg legen. © Hartmann, Stefan

Besonders betroffen soll die Altmark vom Phänomen wilder Müll nicht sein, urteilt die Abfallgesellschaft des Landkreises Stendal. Aber in ihrer Idylle fällt der Müll schneller auf – und das ist ein Vorteil, findet ALS-Chef Hendrik Galster. 

Stendal – Immer wieder verschandelt er die altmärkische Landschaft: wilder Müll. Es mag an der sonst idyllischen Natur liegen, dass einige Menschen in der Region einen Schwerpunkt für Abfallsünder vermuten, an den Zahlen lasse sich das jedoch so nicht ablesen, wie Hendrik Galster, Geschäftsführer der Abfallentsorgung Landkreis Stendal (ALS) auf AZ-Nachfrage erklärt. Trotzdem sorgt das immer wieder vorkommende Ablagern von Müll in Wald und Wiesen in der ALS für Unverständnis und Kopfschütteln.

Jedoch, so sagt Galster, handele es sich nicht um ein Problem des Gebietes. „Es ist ein menschliches Problem“, sagt der ALS-Chef. Wer Müll hat, wolle den in der Regel auch sofort loswerden. Bei einigen sei dann das Unrechtsbewusstsein nicht so ausgeprägt, wie bei anderen – aber da gebe es keinen Unterschied zwischen den Bewohnern des Landkreises, Hilfesheim oder Hamburg. Im Gegensatz zu dicht besiedelten Regionen biete die Altmark jedoch viele Möglichkeiten, auch mit dem Rad die Landschaft zu erkunden und zu genießen. Das führe auch dazu, dass mehr Menschen die Möglichkeit haben, wilden Müll zu entdecken. Das dieser dann möglichst schnell an die ALS beziehungsweise den Landkreis gemeldet wird, sei gut. „Erstverunreinigung ist der Hemmpunkt“, erklärt Galster. „Abfall hat leider die Gewohnheit, sich zu vermehren.“ Bedeutet: Wo bereits Müll liegt, fällt es Menschen leichter, eigenen dazu zu stellen. Eine schnelle Räumung – unterstützt von einer schnellen Meldung, verhindere damit weiteren wilden Müll.

Der erste und eigentlich wichtigere Schritt sei jedoch, dass sich potenzielle Müllsünder klar machen, dass die Entsorgung auch anders laufen kann: Kostengünstig, wenn nicht sogar kostenfrei und legal, charakterisiert Galster die Alternative. Sechs Recyclinghöfe und die Abfallannahme- und Umladestation Stendal gibt es im Landkreis. Ein weiterer Recyclinghof soll, so die aktuelle Planung, noch im laufenden Jahr dazukommen. Für einen zusätzlichen wird ostelbisch nach einem Standort gesucht, damit alle Landkreisbewohner eine möglichst kurze Anfahrt haben. Aber auch ohne Transportmöglichkeit können die Angebote der ALS genutzt werden. Per Abfallkarten aus dem Abfallkalender können sie auch abgeholt werden. Für Galster ist das die unschlagbare Variante. Mitarbeiter der ALS wuppen die schwere alte Waschmaschine auf einen Transporter und man braucht sie nicht selbst ins eigene Auto verfrachten, um dann in einer Nacht und Nebel Aktion heimlich in den Wald zu fahren, um sie dort wieder auszuladen. Gerade für Elektrogeräte bieten sich zahlreiche Möglichkeiten der Rückgabe. So sind Händler dazu verpflichtet, sie zurückzunehmen. Bei der Lieferung eines neuen Großgeräts ist die Mitnahme des Altgeräts ebenfalls kostenfrei gesetzlich geregelt.

Nur zum Spaß erfolgt die Rücknahme natürlich nicht. Ausdrückliches Ziel ist Recycling und damit die Wiederverwertung der Rohstoffe. Ein Thema, das mit der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine noch einmal mehr an Bedeutung gewonnen hat. Egal, ob elektrische Zahnbürste, Toaster oder doch aussortiertes Smartphone. „Alles anliefern bitte. Wir verwerten das“, sagt Galster. Um den Datenschutz müsse man sich gerade im Fall des alten Smartphones oder eines Laptops ebenfalls keine Gedanken machen. Die Geräte würden in automatisierten Prozessen recycelt. Niemand versuche, ein Smartphone vorher noch einmal einzuschalten und beispielsweise die Bilder durchzugucken. Wer trotzdem skeptisch sei, könne ja vorher eine der vielen Möglichkeiten nutzen, Daten nachhaltig vom Gerät zu löschen. In jedem Fall sei die Wirtschaft auf die Recycling-Wertstoffe angewiesen. „Die Ressourcen sind notwendig. Auch aus ökologischer Sicht ist es einfacher zurückzugewinnen, als neue zu erschließen“, erinnert Galster.

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