Ihre wilden Sorgenkinder

Wieder landen vermehrt Straßenkatzen bei Stendaler Tierschützern

Dieses Kätzchen ist in einer ehrenamtlichen Pflegestelle des Vereins aufgenommen worden.
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Dieses Kätzchen ist in einer ehrenamtlichen Pflegestelle des Vereins aufgenommen worden.

Borstel – Oft wird Menschen, die sich eine Samtpfote zulegen wollen, ein Maikätzchen empfohlen. Über die Gründe dafür dürfte Tangermünderin Susanne Wieske gar nicht erst groß nachdenken wollen.

Unbestritten scheint, dass im Wonnemonat durchaus zahlreiche Katzen geboren werden und dass auch noch im Juni besonders viele nicht zuletzt von der Straße im Tierheim Borstel (Stendal) landen.

Auch das Katzenhaus in Osterburg und die ehrenamtlichen Pflegestellen geraten jedes Jahr erneut an ihre räumlichen und finanziellen Grenzen. „Die Ursache ist eine täglich zunehmende Zahl von Kitten, die gefunden, ausgesetzt oder abgegeben werden, weil sich ihre unkastrierten Elterntiere unkontrolliert vermehren“, ärgert sich die Vorsitzendes der Altmärkischen Tierschutzvereins Landkreis Stendal.

„Es gibt nur eine einzig wirksame Methode, das Leid großer und kleiner Katzen vorausschauend zu verhindern: die Kastration.“ Nur so könne ein Übermaß frei lebender und verwilderter Katzen verhindert werden. „Tierschützer denken in diesem Zusammenhang nicht nur an die Katzen, sondern auch an die sinkende Zahl der Singvögel und Kleinsäuger, deren Jungtiere hungrigen Katzen zum Opfer fallen.“ Freigänger, egal, ob nun Katze oder Kater, sollten unbedingt rechtzeitig kastriert werden, mahnt die Vereinschefin gegenüber der AZ. Und bitte: „Aussetzen, Vernachlässigen, Verfolgen, Misshandeln oder sogar das Töten verwilderter und frei lebender Katzen ist keine Lösung.“ Dies sei schließlich strafbar und auch moralisch fragwürdig.

„Oft vegetieren Katzenjunge erbärmlich in Schuppen und Scheunen ohne tierärztliche Hilfe, Nahrung und menschliche Nähe. Die überlebenden Katzen sind meistens sehr krank, abgemagert und ständig auf der Suche nach Futter.“ Beim Kontakt mit Freigängern können laut Tierschützerin Wieske hoch ansteckende Katzenkrankheiten übertragen werden, die Mütter geben sie oftmals an ihren Nachwuchs weiter. „Diese Katzenwelpen werden mit circa fünf Monaten geschlechtsreif, vermehren sich unkontrolliert und die Folge sind Katzenpopulationen, die ein erbärmliches Dasein fristen.“ Eine fast unglaubliche Zahl: Ein einziges Katzenpaar könne, rein rechnerisch und mit über ihre Nachfolger, innerhalb von fünf Jahren bis zu 13 000 Junge produzieren.

Oft seien diese Katzenkinder und auch die Eltern, wenn sie eingefangen werden können, krank, unterernährt und sehr scheu. Draußen drohe ihnen die Gefahr, an unbehandelten Krankheiten zu sterben oder im Straßenverkehr umzukommen. Wie viele Katzen momentan die Einrichtungen der Tierschützer erreichen, sagt Wieske nicht. Schon Ende März lebten allein im Stendaler Tierheim mehr als 30 Katzen. „Wir wollen kein Mitleid erhaschen oder polemisieren, wir wollen informieren“, merkt Wieske schon vor der Veröffentlichung an.

Der Tierschutzverein Kreis Stendal brauche Unterstützung jeder Art. Wer den Kontakt sucht, findet ihn über Tel. (03931) 216363. Wer einmal vorbeischauen möchte, muss sich wegen der Corona-Situation anmelden. Weitere Informationen stehen auch auf der Internetseite. Der Tierschutzverein wird Mitte Juni übrigens 30 Jahre alt.

VON MARCO HERTZFELD  

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