Stadtchef weiter in Sorge um die Finanzierung

Elbfähre Werben: „Wieder 70.000 Euro gelassen“

Ihrem 30. Geburtstag sieht Werbens Fähre 2020 entgegen. Sie wurde in der Werft Havelberg als Gierfähre gebaut. Seit 1997 hat das Schiff einen Dieselmotor, der den Betrieb bei hohem Wasserstand ermöglicht.
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Ihrem 30. Geburtstag sieht Werbens Fähre 2020 entgegen. Sie wurde in der Werft Havelberg als Gierfähre gebaut. Seit 1997 hat das Schiff einen Dieselmotor, der den Betrieb bei hohem Wasserstand ermöglicht.

Werben/Magdeburg – Eine Überfahrt mit der Werbener Gierfähre gilt als beschauliches Erlebnis.

Vor-Ort-Termin: Ostern.

Für die Zukunft des auf der Werft Havelberg gebauten Verkehrsmittels, das bei hohem Wasserstand auf der rund 170 Meter breiten Elbe mittels Dieselmotor übersetzt, hat sich der Bürgermeister der kleinen Hansestadt zuletzt erneut bei einem Treffen in der Magdeburger Staatskanzlei ins Zeug gelegt. Das Gespräch fand wenige Tage nach der jüngsten Zwangspause der Fähre statt, die wegen der seit einigen Jahren laufenden, abschnittsweisen Sanierung der Landesstraße L 2 zu beiden Seiten des Flusses immer wieder zu Einnahmeverlusten führt. Diese Miesen strapazieren den Haushalt der sowieso schon klammen Kleinstadt im Norden der Verbandsgemeinde zusätzlich.

Das Gespräch in der Landeshauptstadt hat Bernd Schulze auch im jüngsten Verbandsgemeinderat thematisiert. Zwischen Werben und der knapp 15 Auto-Kilometer entfernten Elbestadt Sandau am westlichen Ufer des grünen Stroms ist erst vor Kurzem eine Vereinbarung abgeschlossen worden, wonach sich beide Orte den Betrieb der Fähren aufteilen und demzufolge im Wechsel fahren.

Finanzielle Schwierigkeiten auf die Hansestadt Werben befürchte Schulze vor allem deswegen, weil Entscheidungsträger in Magdeburg das Verkehrsmittel der Kategorie „Freiwillige Aufgaben“ zugeordnet hätten, wonach Fördergeld für Unterhalt und Betrieb nur schwer zu ergattern sei. Dass die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt die Werbener Fähre dennoch für „verkehrsrelevant“ hielten, sei für den Bürgermeister ein Widerspruch. Aber er sei ja schon froh, dass wenigstens die besonders kostenintensiven Revisionen an Land, die wie eine Art TÜV alle fünf Jahre nötig seien, finanziell unterstützt würden. Für diese Werftbesuche gebe es vom Land eine Förderung in Höhe von 90 Prozent.

Einen Ausgleich für baubedingte Ausfälle, wie sie die Stadt zuletzt bis zum 10. Dezember hinnehmen musste, gebe es allerdings nicht. „Wir haben wieder 70 000 Euro gelassen“, rechnet der Berger dem höchsten Parlament Arneburg-Goldbecks vor. Dieser Fehlbetrag sei durch die Betriebspause aufgelaufen, die nach dem Havelberger Pferdemarkt Anfang September begonnen hatte, weil die Sanierung der L 2 fortgesetzt worden ist.

Ein Teil eben dieser Straßensanierungsarbeiten hat die Werbener Fähre bereits Anfang des Jahres in die Schlagzeilen gebracht, als nach Arbeiten am Fähranleger zwei Betonklötze an Bord genommen werden mussten, damit das Verkehrsmittel über eine nötige Neigung zum An- und Ablegen verfügte. Zu der ungewöhnlichen Maßnahme sei die Stadt gezwungen gewesen, weil seit dem Neubau der Uferrampen zwischen Landeklappe und Fähranleger eine Lücke klaffte (AZ berichtete).

Diese und andere Schwierigkeiten hatte dann zu Ostern der CDU-Ortsverband Arneburg-Goldbeck zum Anlass genommen, sich bei einem Vor-Ort-Termin ein Bild von der Lage zu machen. Einen weiteren Werbener „Krisengipfel“ zur Zukunft der Fähre gab es dann mit Vertretern der Verbandsgemeinde im Juni. Bei dem Treffen an Bord waren auch Entscheidungsträger des in Stendal ansässigen Regionalbereichs Nord der Landesstraßenbaubehörde sowie Staatssekretär Sebastian Putz und Frank Scheurell als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Landesentwicklung und Verkehr der CDU-Landtagsfraktion zugegen (AZ berichtete).

VON ANTJE MAHRHOLD

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