Feuerwehrmann schildert Einsatz im Haus der besten Freundin / Spendenaktion für die Familie

„Wie in einem Löwenkäfig“

In der Westheerener Straße im Ortsteil Heeren kam es am Sonnabend, 1. September zum Brand eines Mehrfamilienhauses. Durch den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren konnte ein Ausbreiten des Brandes auf das gesamte Gebäude verhindert werden. Verletzt wurde niemand.

Heeren. Der Plan war ganz simpel: Opas Wohnstube sollte einen neuen Anstrich bekommen, erzählt Sebastian „Basti“ Kempe der AZ.

Aber wie so ein Tag am Ende tatsächlich aussieht, können sich weder der 31-Jährige noch alle anderen Mitglieder freiwilligen Feuerwehren aussuchen.

Um 15.03 Uhr alarmiert der Pieper. Auch die Sirene in Heeren legt los. Da muss Opas Stube wohl noch warten, denn das Feuer wird es mit Sicherheit nicht. Vier Minuten dauert es, bis die Staffel der Ortsfeuerwehr Heeren mit einem Führer und der Mannschaft aus sechs Freiwilligen einsatzbereit ist. Für eine „Dorffeuerwehr“ wie Heeren sei das schon schnell, sagt Basti.

Der gebürtige Heerener stärkt nicht nur die Wehr des Stendaler Ortsteils, sondern auch den Tangermünder Kameraden den Rücken. Nach fast 20 Jahren dabei, geht der 31-Jährige gelassen, aber mit großem Respekt vor der Situation in den Einsatz. „Wenn man den nicht hat, wird es gefährlich“, mahnt er.

Doch der Adrenalin-Pegel steigt unweigerlich, als Basti erfährt, wohin er und die Kameraden ausrücken müssen: Es ist das Haus seiner besten Freundin Franzi, die dort mit ihrem Freund und den beiden Kindern lebt. Die ältere Tochter ist sein Patenkind, berichtet er. „Da wechseln die Emotionen sekündlich“, sagt der Feuerwehrmann. Nur eine Minute dauert die Fahrt vom Feuerwehrgerätehaus bis zum Einsatzort in Heeren, dann geht es auch schon los.

Der Außenbereich des Gebäudes steht zu diesem Zeitpunkt bereits in Vollbrand. Ein Carport ist schon runtergebrannt und Flammen greifen auf die Fassade des Zweifamilienhauses über. Neben der örtlichen Wehr rücken auch Kameraden der Feuerwehren Stendal, Dahlen, Bindfelde und Insel an.

Da der 31-Jährige eine Ausbildung als Atemschutzgeräteträger hat, geht er selbst mit rein. Wobei „rein“ erst einmal die Außenbrandbekämpfung beinhaltet. Dabei stellen die Brandschützer fest, dass sich auch im Innenraum des Wohnhauses Rauch gebildet hat. Den Alarmton des Rauchmelders habe man bis draußen auf die Straße gehört. „Das Geräusch war schon prägend“, muss Basti eingestehen. Weil die Haustür verschlossen ist, müssen die Kameraden ein Fenster einschlagen, um sich so einen Weg ins Innere des Gebäudes zu bahnen. „Als ob man in einen Löwenkäfig steigt und nicht weiß, ob wirklich ein Löwe drin ist“, beschreibt der Feuerwehrmann diesen Moment.

Im Zweifamilienhaus hält sich zu der Zeit zum Glück niemand auf, die Erleichterung ist groß und der Einsatz kann bis 18 Uhr beendet. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Auch Tage später würde ihm der Schreck noch in den Gliedern sitzen, räumt Basti ein. Und natürlich die Schäden, denn das Zweifamilienhaus ist nun unbewohnbar. Franzi und ihre kleine Familie habe es schwer getroffen. Von einem Tag auf den anderen stünden sie ohne jeglichen Besitz da, mussten vorerst bei Verwandten unterkommen.

Freunde setzen sich nun ein und sammeln Spenden, um der Familie wieder auf die Beine zu helfen. Spenden können auf das Konto von Familie Lackmann unter dem Verwendungszweck „Hilfe Wohnungsbrand“ an IBAN DE 63 2011 0022 3202 449867 BIC PBNKDEFF überwiesen werden. Dann kann Basti vielleicht bald wieder streichen. Nicht Opas Stube, sondern hoffentlich Franzis neues Wohnzimmer.

Von Laura Kühn

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