Integrationslotse macht Partei einsam

AfD wettert an Gedenktag gegen Hilfsangebot: Stendaler Kreistagsmehrheit empört

Integrationshelfer gibt es im Land einige. Sie können auch bei Behördengängen unterstützen.
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Integrationshelfer gibt es im Land einige. Sie können auch bei Behördengängen unterstützen.

Stendal – Die AfD bleibt mindestens in dieser Flüchtlingsfrage völlig isoliert. Ehrenamtliche Integrationslotsen wird es auch nächstes Jahr in östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel geben.

28.200 Euro an Aufwandsentschädigungen stehen dafür bereit, alles Landesmittel, die der Landkreis weiterreicht.

Dafür hat der Stendaler Kreistag am späten Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit gestimmt. Die AfD-Mitglieder votieren geschlossen dagegen. Den kalkulierten Schlagabtausch gab es vorher. Selbst der Kalender spielte den Rechtsaußen im Kommunalparlament nicht unbedingt in die Hände. Der 10. Dezember ist der Internationale Tag der Menschenrechte.

Juliane Kleemann schrieb das allen ins Merkheft. „Es wäre nichts fataler“, so die Sozialdemokratin weiter, der AfD-Argumentation gerade an einem solchen Tag zu folgen. Die Stendalerin sprach darüber hinaus von einer „menschenverachtenden Frechheit“, sah „Menschen gegen Menschen in Stellung“ gebracht. Die Integrationslotsen würden Flüchtlingen helfen, „hier anzukommen und sich zurechtzufinden“, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Aktuell arbeiten 38 Integrationslotsen im Landkreis. In Stendal sind es laut Verwaltung 24, in Tangerhütte fünf, in Arneburg-Goldbeck, Elbe-Havel-Land und Tangermünde jeweils zwei sowie in Osterburg, Seehausen und Bismark jeweils einer.

Ulrich Siegmund, ein führender AfD-Mann, hatte gleich zu Beginn von einer „speziellen Situation“ in diesem Jahr gesprochen. Der Landkreis habe eine wichtige Fährverbindung und ein wichtiges Krankenhaus verloren. Grund sei fehlendes Geld. Der Landkreis leiste sich bereits zwei hauptamtliche Integrationsbeauftragte. Während viele Menschen in diesen Coronazeiten Existenzängste hätten, Unternehmer, Selbstständige. Dass es sich um Landesmittel handle, wisse er, doch auch „jeder Steuer-Euro kann nur einmal ausgegeben werden“. Integrationslotsen sollen 30 000 Euro erhalten. Die AfD-Fraktion könne das „den Menschen im Landkreis nicht erklären“.

Dr. Marcus Faber (FDP) hat für sich eine Erklärung: „Vorsorge ist besser als Nachsorge. Wir reden darüber, Menschen zu integrieren.“ Dass sich diese Menschen in der Altmark zurechtfinden, davon hätten alles etwas. Und überhaupt: Selbst wenn das Geld für die Integrationslotsen gestrichen würde, gäbe es noch immer keine Fähre und noch immer kein Krankenhaus. Die AfD, so Dr. Faber, fische gezielt vom rechten Rand. Landrat Patrick Puhlmann (SPD): Wer etwas ändern wolle, müsse das auf anderer Ebene tun. „Es geht eben nicht auf Kosten des Landkreises.“ Nach weiteren Wortmeldungen trat der Liberale Ralf Berlin auf, einer seiner Sätze: „Ich möchte, dass Menschen integriert werden.“

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