Was bedeutete es, in der DDR jugendkulturell zu sein? / Rock´n´Roll-Klubs im RAW und mehr

„Westliche Unkultur“ im Fokus

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Sternrekorder gehörten ganz klar zur DDR-Jugendkultur. Meist wurden sie vom Jugendweihe-Geld gekauft.

Stendal. Importierte Levi’s-Jeans aus dem Westen, lange Schlangen vor dem Schallplattenladen, selbstgemachte Kleidung aus gebatikten Bettlaken – der Mangel in der DDR erzeugte unter den Jugendlichen ungeheure Kreativitätspotenziale.

Drei Jahre lang sammelte Günter Mey, Professor für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal, zusammen mit seinem studentischen Team Erinnerungen der „Jugendkultur in Stendal: 1950 bis 1990“. Eine Ausstellung im Altmärkischen Museum in Stendal zeigt bis zum 18. August, was heute 45- bis 80-Jährige in der DDR erlebt haben (AZ berichtete). Ergänzt werden die Erinnerungen von Lesungen, Theater, Filmen, Erzählcafés und einer Tagung am 15.  Juni.

Die Westorientierung der Jugendlichen ist besonders auffallend: Ob es die Levi’s-Jeans war oder die Musik, beides von offizieller Seite nicht gern gesehen, die von „westlicher Unkultur“ sprachen und die Jugendlichen als „negativ dekadent“ einstuften. Die Gründung von Rock‘n’Roll-Klubs im Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) wurde in den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit festgehalten, wie insgesamt die jugendlichen Bewegungen mit Skepsis verfolgt wurden.

„In der DDR jugendkulturell zu sein, war anders als im Westen, in der gegenkulturelle Strömungen rasch kommerzialisiert wurden und der subversive Charakter somit verloren ging“, erklärt Prof. Mey. Sich jugendkulturell zu zeigen, bedeutete in der DDR, sich Schwierigkeiten einzuhandeln. Dabei war es für die Jugendlichen angesichts der Mangelwirtschaft gar nicht leicht, an die begehrten jugendkulturellen Insignien zu gelangen. Die begehrten Gegenstände wurden deshalb auf Schmuggelwegen aus dem Westen „importiert“. Was den Jugendlichen gefiel, wurde selbst gemacht. „Für uns war wichtig, die Besonderheiten der Jugendkultur zu verstehen und vor allem als DDR-Kultur zu begreifen, ohne sie als defizitär zu betrachten“, betont der Projektleiter.

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