„DIEpA“-Chef Norman Schönemann plädiert für bessere Arbeitsbedingungen und Gratis-Kaffee

„Die werden sich noch wundern“

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„Jeder ist seines Glückes Schmied“, findet Norman Schönemann. Für den „DIEpA“-Chef spielt das Arbeitsklima eine tragende Rolle bei der Berufswahl. 

Stendal. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, findet Norman Schönemann, der nicht nur eine eigene Brauerei besitzt (AZ berichtete), sondern auch seit 2006 Niederlassungsleiter der Zeitarbeits- und Personalvermittlungsagentur „DIEpA“ in Stendal ist.

Mit dem Thema „Beschäftigung“ kennt er sich also aus.

Aber wie steht es damit im Landkreis Stendal? Im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Stendal leben 201 426 Menschen. Davon arbeitslos sind nach Angaben der Agentur 8763 Menschen (Stand: April 2018). Im Vergleich zum Vorjahr gibt es in diesem Jahr 919 Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote betrug im April 8,4 Prozent, vor einem Jahr war sie noch bei 9,2 Prozent. Im bundesweiten Vergleich sei die Zahl der Arbeitslosen hier zwar etwas höher, aber „dennoch in einem sehr guten Bereich“, wie Schönemann findet.

Viel prekärer sei da der Mangel an Fachkräften, den Schönemann auch in Zukunft weiter steigen sieht. Betroffen sei fast jede Sparte aber vor allem das Handwerk. „Das geht sogar so weit, dass man zum Teil ein Jahr auf einen Termin warten muss“, berichtet der Niederlassungsleiter aus eigener Erfahrung. „Wenn man als Arbeitgeber bestehen will, muss man verstehen, dass die Mitarbeiter das Kapital des Unternehmens sind“, macht Schönemann deutlich. Dafür sei es zwingend notwendig, „vernünftige“ Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das beginne bei einer angemessenen Bezahlung und genügend Urlaubstagen. Doch das allein sei nicht entscheidend: Laut einer Statistik der GWA-Agentur ist Arbeitnehmern ein freundschaftliches Arbeitsklima am wichtigsten. Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht demnach an zweiter Stelle, gefolgt von Arbeitsplatzsicherheit. Auch Karrierechancen spielen bei der Wahl des Arbeitsplatzes eine Rolle. Erst an sechster Stelle der Grafik steht die Vergütung.

„Mir wird ganz schlecht, wenn ich höre, dass manche Vollzeitkräfte mit 24 Urlaubstagen abgespeist werden. Solche Firmen brauchen sich dann nicht wundern, wenn sich die Mitarbeiter nach einem besseren Arbeitgeber umschauen“. Wie man ein gutes Arbeitsklima schafft, das weiß der Niederlassungsleiter: „Unsere Mitarbeiter dürfen sich am Kaffeeautomaten bedienen. Jeden Freitag wird zudem eine heiße Suppe aufgetischt und sogar eine Kiste Bier bereitgestellt“.

Für Arbeitssuchende hat Schönemann noch einen Tipp: „Stellen Sie sich beim künftigen Chef persönlich vor“. Bewerbungsunterlagen seien zwar oft notwendig, aber doch sehr unpersönlich. „So können Sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen“. Skeptisch werden Arbeitgeber oft durch längere arbeitsfreie Zeiten im Lebenslauf und kurzfristige Arbeitgeberwechsel. „Oft kommt es gar nicht so sehr auf die Ausbildung an, sondern auf die Erfahrungen, die in den vergangenen Jahren gesammelt wurden“.

Von Charlotta Spöring

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