Nach neun Monaten im Amt: Stadtrat beantragt Abwahl des Werbener Bürgermeisters / Wolfgang Tacke: „Üble Intrige“

„Das werden die Juristen beurteilen“

+
Seit Dezember in Amt und Würden könnte der Auftritt beim Biedermeier-Sommer für Wolfgang Tacke einer der letzten großen Zeremonien gewesen sein. Sein Stadtrat hat ihm am Montag mit einem Abwahlantrag das Vertrauen entzogen. Tritt der 63-Jährige nicht freiwillig zurück, müssen die Wähler abstimmen.

Werben. „Ich finde die Arbeitsweise in der zurückliegenden Zeit einfach nicht mehr sachgemäß – so haben wir uns das nicht vorgestellt“, begründet Michael Nix am Dienstagabend den jüngsten „Paukenschlag“ von Werben.

Als Mitglied der stärksten UWG-Fraktion verliest er ganze 38 Sekunden lang ein Papier, das neun Stadträte unterschrieben haben – und das Ende von Bürgermeister Wolfgang Tacke (parteilos) einläuten soll.

„Wir stellen den Antrag, das Verfahren zur Abwahl einzuleiten“, lautet der erste Satz des Schreibens, das neben Nix seine UWG-Kollegen Tina Reppenhagen, Doreen Behrens, Kerstin Handge, Benjamin Melms und Vize-Bürgermeister Bernd Schulze sowie Michael Schnelle und Torsten Schatz von der CDU-Fraktion und Neu-Stadtrat Lutz Homann unterzeichneten. Wegen der Abwahl hatte sich die UWG-Fraktion kurz vor der Sitzung zu einem Sondertreffen versammelt.

„Ich bin nicht mehr in der Lage, geradeaus zu denken“, lauten um 21.13 Uhr Wolfgang Tackes erste Worte, als das Misstrauensvotum gegen ihn auf dem Tisch liegt. „Das ist eine ganz üble, fadenscheinige Intrige“, schiebt der 63-Jährige mit Blick auf Nix sichtlich angegriffen nach. Und gibt Minuten später auf, als er die Leitung des nichtöffentlichen Teils in die Hände seines Stellvertreters legt. Da er die Sitzung nicht mehr leiten könne. fordert er Bernd Schulze an der Rathaustreppe auf: „Das müssen Sie jetzt machen.“

„Es ist der Stadtrat, der mit dem Bürgermeister klar kommen muss“, resümiert Arneburgs-Goldbecks Verbandsgemeindebürgermeister das Geschehen. Er sei froh, dass der Antrag „ruhig“ und „konkret“ rübergekommen sei, erklärt René Schernikau der AZ. Und er wisse von der „Kritik“, die gegen Tacke erhoben werde, aber der Amtsinhaber habe „in den letzten zwei Monaten reagiert“ Nun lasse Schernikau prüfen, ob der Antrag am 26. September auf die Tagesordnung einer Sondersitzung kommt, wie dies die neun Stadträte fordern.

„Die Juristen werden das beurteilen“, will Wolfgang Tacke Mittwochmittag am AZ-Telefon keine Stellungnahme abgeben. Ob er zurücktritt oder die Wählerschaft an die Urnen gerufen wird, ließ er unbeantwortet. Dabei rumort es wieder in der Kleinstadt, deren demokratische Vertretung durch eine Reihe von Mandatsrückgaben gezeichnet ist. Tacke gewann im November nach Jochen Hufschmidts Rücktritt die Stichwahl gegen Wolfgang Trösken mit 320 Stimmen.

Von Antje Mahrhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare