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„Eines Besseren belehren lassen“

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Von: Antje Mahrhold

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Albrecht der Bär und die Entstehung der Mark Brandenburg.
Das neue Buch des Historikers Lutz Partenheimer über Albrecht den Bären ist Anfang Dezember erschienen. © Repro: Antje Mahrhold

Werben – Gegen das nagelneue Buch des renommierten Experten für die mittelalterliche Geschichte der Mark Brandenburg, Lutz Partenheimer läuft der Verein „Arbeitskreis Werbener Altstadt“ (AWA) Sturm.

Vorsitzender Jochen Hufschmidt hat einen „Offenen Brief“ an Inhaber Marcel Piethe verfasst, der das erst vor knapp zwei Wochen erschienene 160-Seiten-Werk „Albrecht der Bär und die Entstehung Brandenburgs“ in dessen Berliner Verlag für Regional- und Zeitgeschichte veröffentlichte. Anlass für den zwei DIN-A4- Seiten langen Brief des AWA-Chefs sind Partenheimers Aussagen zur im Mai 2020 per Stadtratsbeschluss vorerst endgültig beendeten Idee, eine Kopie des einst in Werben ansässigen Denkmals für den berühmten Markgrafen in Werben neu aufzubauen. Als Standort war zuletzt das Romanische Haus im Gespräch, das als Wiege des Johanniter-Ordens gilt.

„Wochenend-Werbener“

„Wer gedacht hatte, mit dem Scheitern der Initiative zur Wiedererrichtung des Denkmals sei dieses Kapitel der Geschichte beendet, muss sich nun eines Besseren belehren lassen“, schreibt Hufschmidt. Der Potsdamer Historiker betreibe „Unterstellungen“ und „pauschale Anschuldigungen“, schimpft der Räbeler etwa über eine Passage Partenheimers, in der von „einer „Handvoll Wochenend-Werbener“ die Rede ist. Der Historiker mische sich „im Nachgang in die kontroverse Debatte ein“. Dies lasse „gebotene Sachlichkeit, Differenziertheit und Unabhängigkeit“ vermissen, findet Hufschmidt.

Das Buch hat der 64-Jährige, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Historischen Institut der Uni Potsdam tätig ist, Seiner Hoheit Prinz Eduard von Anhalt, Herzog zu Sachsen und Großmeister des Askanischen Hausordens Albrecht der Bär Anfang Dezember zu dessen 80. Geburtstag gewidmet. Im Vorwort würdigt Partenheimer eine Reihe von Unterstützern und Institutionen, wie das Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Domstiftsarchiv Brandenburg an der Havel und das Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg. Auch der Werbener CDU-Stadtrat Michael Schnelle ist Teil der Danksagung.

„Für politische Ziele instrumentalisiert“

In seinem Brief bezichtigt Hufschmidt den Historiker der „pauschalen Schelte“, weil Partenheimer nicht darauf eingehe, weshalb der Stadtrat „seine Zustimmung zum wilhelminischen Denkmal zurückgenommen“ habe. Schließlich sei es für Leser des Buchs nach Ansicht des Vorsitzenden interessant, „dass die Initiatoren im letzten Moment von der Stadt die Finanzierung des Denkmals forderten, obwohl sie bis dahin immer betont hatten, auf die Stadt kämen keine Kosten zu“. So seien es vor allem Mitglieder des AWA gewesen, die sich gegen das Projekt engagiert hätten. Hufschmidt: „Insofern fühlt sich der AWA von Partenheimers Schelte besonders angesprochen.“

Dass der Historiker den Denkmalsgegnern unterstelle, diese hätten die prominente Historikfigur als einen „Slawenschlächter“ tituliert, entspreche ebenfalls nicht der Wahrheit. Hufschmidt: „Unsere Kritik hat sich immer gegen die Wiedererrichtung des von Kaiser Wilhelm II. der Stadt Werben 1905 geschenkten Denkmals gerichtet und dagegen, dass dieser Albrecht den Bären für sich und seine aggressiven politischen Ziele instrumentalisiert hat.“ In seiner Zeit als Bürgermeister (2013-2016) habe Hufschmidt vorgeschlagen, ein „modernes Denkmal“ eines „heutigen Künstlers“ empfohlen.

Albrecht der Bär

• Albrecht der Bär (1134-1170), Anführer des Wenden-Kreuzzuges von 1147, christianisierte spätere preußische Gebiete der Hohenzollern

• Kaiser Wilhelm II. ließ die „Siegesallee“ mit 32 überlebensgroßen Herrscherstandbildern errichten

• Im April 2016 eröffnete im einstigen Proviantmagazin der Zitadelle Spandau das Museum Berliner Denkmäler. Dort zu sehen ist die Statue von Albrecht der Bär, die insgesamt 5,35 Meter hoch ist.

• Eine Kopie der Statue stand von 1906 bis 1917 vor der Johanniskirche in Werben.

• seit 2013 engagiert sich der Arbeitskreis Albrecht der Bär um Vize-Landesheimatbund-Präsident Norbert Lazay um den Denkmalsneubau, dessen Errichtung geplant 2020 erfolgen sollte, als sich der Todestag des berühmten Askanier-Fürsten im Oktober zum 850. Mal jährte

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