Goldbecker Sekundarschüler erleben unterhaltsame Buch-Premiere

Wenn Zuneigung von Zentimetern abhängt

Auch das Liebesspiel eines miteinander balzenden Höckerschwan-Pärchens kommt zur Sprache, als Ernst Paul Dörfler 31 Goldbecker Sekundarschülern von den gar menschlichen Wonnen und Wehen liebeslustiger und ehefrustiger Federviecher erzählt. Foto: Mahrhold

Goldbeck. Die Zehntklässler von Deutschlehrerin Christine Holtz wissen an diesem Morgen in Goldbecks Sekundarschule die Prominenz ihres Literaturstunden-Gasts nicht einzuordnen, aber damit hat Ernst Paul Dörfler kein Problem.

Schließlich will der 63-Jährige, der 1989 die Grüne Partei der DDR mitbegründet hat, mit seinem ostaltmärkischen Publikum bei tristgrauem Regen ein alle Zeiten, Grenzen und Moden überdauerndes Alltagsthema, die Liebe, beplaudern.

Und weil Dörfler seines Zeichens ein auch vom ZDF geschätzter Öko-Experte mit ausgeprägter Leidenschaft zur Elbe ist, erzählt er den 31 jungen Damen und Herren aus 10a und 10b erstmal, wie „ganz begeistert“ der TV-Mitarbeiter aus Mainz Dienstag auf Recherche in Fischbeck für einen 2014 geplanten ZDF-Flut-Beitrag „Ein Jahr danach“ von der regionalen Elblandschaft gewesen sei.

Als Dörfler dann den Titel seines gerade erst am 14. September erschienenen, immerhin zehnten Buchs „Liebeslust und Ehefrust der Vögel“ verkündet, hört der 63-Jährige den ersten Lacher samt Zwischenruf „Das ist ja wie bei den Menschen!“

Weil eine humorvolle Herangehensweise an das auch ein bisschen schlüpfrige Vögel-Thema ausdrücklich im Sinne des Naturbuch-Autoren liegt, zitiert sich der 63-Jährige, der zuletzt unter anderem das Werk „Die Liebe der Vögel“ (2009) veröffentlicht hat, zum Aufwärmen einfach selbst. „Am schönsten ist die ewige Liebe mit häufigen Seitensprüngen“, liest er und verweist auf die Alltagswelt der Vögel, die da vogelfrei und dem Himmel nah sei und die Morgengrauen-Typen wie Lerchen kennt, aber auch Nachtigallen, die erst mitternachts loslegen.

Und auch Kuckucke zu ihrer Spezies zählt, die ebenso flüchtig lieben wie sie leben. Wohingegen Schnepfen mal hier und mal da techteln, ganz ähnlich wie Rohrsänger, die die freie Liebe praktizieren und wahrlich keinen Gefallen am monogamen Gebahren sesshafter Eulen finden würden. Dezidierte Romantik dagegen pflegen alle Sturmvögel, die sich nur einmal in der Woche sehen, was jedoch die Habichte wiederum ganz locker überbieten, da sie erklärte Einzelgänger sind und gen Himmel immer nur wegen der Wahl eines Partners aufsteigen.

Doch bei „Vögels“ existieren auch gleichgeschlechtliche Liebesmodelle, wie etwa bei den Himmelsziegen, und es gibt schon seit Urzeiten Rollentausch-Modelle, wie bei den Mornellregenpfeifern, wo Männchen längst traditionell Elternzeit nehmen. Und in Kommunen, wie sie die Vogelwelt in ihren verschiedensten Brutkolonien lebt, da werde es nie langweilig, berichtet der Schriftsteller den Zehntklässlern und beantwortet damit einen von den Goldbeckern Sekundarschülern mit Hilfe ihrer Lehrerin vorab an Dörfler gefaxten Vögelfragen-Katalog.

„Alle diese Beziehungsmodelle sind Erfindungen der Natur“, resümiert der 63-Jährige über die Liebesformen der Federviecher, bevor er explizit – und wie von den Goldbeckern Zehntklässlern gewünscht – von den besonderen Vorlieben der Schwalbenmädchen spricht. Die nämlich scannen in Bruchteilen von Sekunden dank ihrer übermenschlichen Sehschärfe die Anatomie der gegabelten Schwanzfeder – und achten dabei extrem genau auf die Länge. „Weibchen brauchen fitte Männchen“, erklärt Dörfler den Zusammenhang zwischen Zentimeter und Zuneigung. Und verweist auf eine weitere lebenspraktische Weisheit, die alle Liebenden von den Zugvögeln lernen können. Ist der Schwalbenmann nämlich erst mal unter der Haube, lasse seine Attraktivität merklich nach. „Wenn er verheiratet ist, verblasst sein Federkleid“, weiß Dörfler. – Mit seinem Lust-Frust-Werk ist der Autor auf Lesetour, so auch am 30. September in der Stadtbibliothek Magdeburg.

Von Antje Mahrhold

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