Wenn Müllsäcke Hürden werden

Auf dem Parcours im Dunkeln konnten die Besucher nachempfinden, wie sich blinde Menschen an den Hindernissen fühlen, die im Alltag immer wieder auftauchen.

Stendal - Von Thomas Pusch. Zu seinem Frühlingsfest lud der Blinden- und Sehbehindertenverband gestern Nachmittag ein. Mehr als 60 Gäste kamen. Im Mittelpunkt stand neben dem leiblichen Wohl der Parcours im Dunkeln.

„Das ist die beste Öffentlichkeitsarbeit“, meinte Jürgen Soisson, Leiter der Bezirksgruppe Sachsen-Anhalt Nord des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Er meinte den Parcours im Dunkeln, der beim gestrigen Frühlingsfest der Bezirksgruppe aufgebaut war. Wer ihn ausprobieren wollte, bekam eine Schlafbrille auf die Augen und einen Stock in die Hand. Ganz vorsichtig ging es dann an Hindernissen wie einer Mülltonne oder gelben Säcke vorbei, über eine Treppe neben einem Fahrradständer entlang geschlängelt ins Ziel. Nur so könne man wirklich nachempfinden, wie sich ein Blinder fühlt. Das erging auch Soissons Mutter so. „Jürgen, das ist ja wirklich schwierig“, meinte sie. „Das hat dein Sohn jeden Tag“, entgegnete er.

Die Bezirksgruppe umfasst 28 Selbsthilfegruppen nördlich von Magdeburg, denen 350 Mitglieder angehören. Soisson hätte das Wort „Blinde“ gern aus der Vereinsbezeichnung getilgt. Es sei irreführend, denn ein Laie denke immer für einen Blinden stelle sich die Welt schwarz dar. Das sei jedoch ein Irrtum, die Blindheit fange nämlich bereits bei Menschen an, die noch zwei Prozent Sehvermögen haben, hell und dunkel unterscheiden.

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