Mitglieder für alle Ebenen gesucht

Wenn jeder Helfer zählt: Stendaler THW fehlt Nachwuchs

+
Kürzlich war das Technische Hilfswerk am Stadtsee im Einsatz, als es wegen eines Fischsterbens darum ging, den Sauerstoffgehalt im Gewässer zu erhöhen.

Stendal – Dienstabend beim örtlichen Technischen Hilfswerk (THW). Der Mittwoch dient Haus und Hof. Männer und Frauen sind am Domizil nahe der Lüderitzer Straße aktiv, reinigen Technik vom letzten Einsatz.

Kinder und Jugendliche sind unter den Ehrenamtlichen nicht zu finden – allerdings nicht, weil kein Interesse besteht, wie der Ortsbeauftragte des Stendaler THW der AZ erklärt.

Norman Gelbke, Ortsbeauftragter THW Stendal.

Anrufe von Eltern, die ihre Kinder beim THW unterbringen wollen, bekomme er regelmäßig, berichtet der 43-Jährige. „Aber wir haben keinen Jugendbetreuer.“ Und somit auch keine Jugendgruppe, in der der Nachwuchs gemeinschaftlichen Aktivitäten nachgehen und eine altersgerechte Ausbildung erfahren könnte.

Grundsätzlich sei die Decke von Ehrenamtlichen beim THW dünn. „Von der Technik sind wir gut ausgestattet. Aber es fehlt an Mann und Frau, die es im Notfall besetzen können“, bedauert Gelbke. Mit 44 Mitgliedern sollten die Freiwilligen aufgestellt sein. Zu verzeichnen seien allerdings nur 18 – nicht einmal die Hälfte. „Bisher haben wir es immer hingekriegt. Wir hatten Glück.“

Doch Ereignisse wie das Hochwasser von 2013 sind dem Ortsbeauftragten noch gut im Gedächtnis. „Wir sind rund um die Uhr gefahren. Das hat uns ausgereizt.“ Vor allem durch den Wegfall der Wehrpflicht sei der Zulauf zum THW geschrumpft. „Wir waren damals noch eine straffe Mannschaft mit vielen Stundenten.“ Heute kämen nur noch vereinzelt einige beherzte Helfer nach.

Dass sich an dieser Situation etwas ändert, da sieht Gelbke jeden einzelnen Anwohner aus der Region in der Pflicht. „Es muss den Leuten bewusst sein, dass Hilfe nur durch ein breit gefächertes Engagement passiert.“ Denn ohne die notwendigen Leute, sei auch die beste Technik ohne Nutzen.

Nicht zuletzt seien es auch die kleinen Dinge, welche den Ehrenamtlichen die Arbeit erleichtern können. „Man kann auch als aktiver Nicht-Einsatzbefähigter mitmachen“, erklärt der 43-Jährige. Jene, die das THW mit Nebentätigkeiten unterstützen wollen und sich die komplette Grundausbildung sparen wollen, können auch eine angepasste Ausbildung absolvieren. „Sie können dann auch zur Einsatzstelle kommen, Kaffee oder Essen vorbei bringen. Nur eben nicht direkt dorthin, wo die Bäume brechen oder das Wasser steht.“ Auch Kochen oder einfach nur den Hof fegen gehöre zu diesen kleinen, aber doch nützlichen Aufgaben. „Man kann sich hier echt breit engagieren. Selbst die nette ältere Dame, die gerne mal wieder für 20 Leute kochen möchte.“

Oder eben in der Ausbildung des Nachwuchses. Ein Jugendbetreuer müsste neben der Grundausbildung auch eine Jugendleitercard (Juleica) vorweisen können oder einen entsprechenden Lehrgang absolvieren. Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis sei ebenfalls gefragt, weiß Gelbke. Ideen und Vorschläge für Unterrichtseinheiten und die Jugendarbeit im Allgemeinen gebe es dann in einer Fibel des THW.

Auch früher schon habe es einmal eine Gruppe für den Nachwuchs gegeben, weiß der Ortsbeauftragte, der diesen Posten im Jahr 2011 übernommen hat. Die letzte Gruppe sei irgendwann aufgelöst worden. Eine Reaktivierung sei allerdings wünschenswert.

VON LAURA KÜHN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare