Ulrich Wickert las in der Hochschule Magdeburg-Stendal aus seinem neuesten Buch „Redet Geld, schweigt die Welt“

Wenn Habgier Menschen tötet

Der Audimax der Hochschule Magdeburg-Stendal in der Landeshauptstadt war übervoll, als der ehemalige „Tagesthemen“-Moderator und heutige Autor Ulrich Wickert aus seinem neuesten Buch las. Foto: Postolache

xp Magdeburg/Stendal. Der Mensch sei es, welcher dem Laster der Gier nachgehe. In manchen Fällen werde diese Gier auch als „Profitmaximierung“ oder „wirtschaftliches Interesse“ bezeichnet.

Gier sei laut Definition eine schlechte Charaktereigenschaft, machte Ulrich Wickert am Donnerstagabend deutlich. Wer in Deutschland aus Habgier eine Straftat begehe, müsse mit harten Strafen rechnen. Doch welche Grenzen werden der Gier der Banken, der Unternehmer, allgemein der wirtschaftlich handelnden Menschen gesetzt? Darüber will der ehemalige Tagesthemen-Moderator und heutige Autor in seinem aktuellen Buch „Redet Geld, schweigt die Welt“, aufklären. Die Gäste seiner Lesung ließen sich im übervollen Audimax der Hochschule Magdeburg-Stendal am Standort der Landeshauptstadt gerne zum Nachdenken anregen.

„Wirtschaft und Ethik widersprechen sich nicht“, so die These, die Wickert zu Beginn seiner Lesung aufstellte. „Ich sage, sie gehören zusammen.“ Wenn die Gier nach Profit allerdings alle moralischen, ethischen Bedenken, die Vernunft ausspielt, wird es problematisch. Als Beispiel nannte Wickert unter anderem einen Fall aus den USA. Ein Pharmaunternehmen hatte ein Medikament auf den Markt gebracht, stark dafür geworben. Das Marketing wirkte, sollte dies doch die Nebenwirkungen klein reden. Folge: Menschen starben. Habgier tötete Menschen. „Auf Mord mit dem gesteigerten Motiv der Habgier stehen in Deutschland harte Strafen.“ In den USA wurden Milliarden Dollar gezahlt, um die Sache vom Tisch zu bekommen. Ethisch ist es allerdings nicht, Menschenleben zu riskieren und letztendlich dann für die Opfer zu zahlen. „Es werden jedoch Menschenleben riskiert, nur, um den Gewinn zu maximieren.“

„Es liest sich an manchen Stellen wie ein Thriller oder Kriminalroman, was in diesem Buch steht“, so Wickert über sein neuestes Werk. Doch sei es die Realität. Fehlgeleitete Profitgier habe nicht erst zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 schwere Folgen nach sich gezogen. Als Beispiel der jüngsten Zeit nannte der Autor die Ölpest im Golf von Mexiko. Der übertriebene Eifer nach Besitz, in diesem Fall nach Öl, brachte am Ende eine folgenschwere Naturkatastrophe.

Doch nicht in jedem Menschen stecke eine starke Ausprägung der Gier, zeigte Wickert zum Ende seiner Lesung einen positiven Weg auf. Es gebe auch Menschen, die nicht aus dem Motiv handeln würden, Profit aus dem zu schlagen, was sie tun. Der Maler Vincent van Gogh sei so ein Mensch gewesen, welcher um der Kunst willen malte. Es gebe auch aktuelle „Vorbilder“ in der Wirtschaft, die zeigen, dass Wirtschaft und Ethik sich nicht ausschließen. Jene Unternehmen würden den Gewinn nicht nur an ihre Aktionäre ausschütten. Soziale, gesellschaftliche Verantwortung würden einige übernehmen. Und auch als Konsument, als Arbeitnehmer könne man etwas verändern. Das würde beim Einkaufen beginnen. Es muss nicht das Fleisch aus Argentinien, die Butter aus Irland sein, wenn diese Produkte auch von heimischen Rindern kommen können. „Nur der Bordeaux, den ich gerne trinke, kommt natürlich aus Frankreich“, so Wickert mit einem Schmunzeln.

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