29-jähriger Imker aus Stendal soll falsch deklariertes Produkt geliefert haben

Wegen China-Honig vor Gericht

Über 5000 Kilogramm chinesischen Honigs soll ein Stendaler Imker nach Bayern geliefert haben, obwohl die Ware als deutscher Honig deklariert war. Deswegen steht er nun, in zweiter Instanz, vor dem Stendaler Landgericht. Gestern war Prozessauftakt. Foto: AZ-Archiv
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Über 5000 Kilogramm chinesischen Honigs soll ein Stendaler Imker nach Bayern geliefert haben, obwohl die Ware als deutscher Honig deklariert war. Deswegen steht er nun, in zweiter Instanz, vor dem Stendaler Landgericht. Gestern war Prozessauftakt. 

Stendal. Seit gestern steht ein 29-jähriger Stendaler vor dem Landgericht. Dem Imker wird vorgeworfen, im Jahr 2014 rund 5240 Kilo chinesischen Honigs an einen Münchner Abnehmer geliefert zu haben, obwohl die Ware als deutscher Honig deklariert war.

Insgesamt ging es um eine Lieferung von zehn Tonnen. Das Amtsgericht Stendal verurteilte ihn bereits, in Kombination mit Taten aus einem weiteren Strafantrag, zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten. Dagegen legte der Beschuldigte Berufung ein.

Die Falschlieferung sei ein Versehen gewesen, habe der Angeklagte in der ersten Instanz berichtet. „Das ist als Falschaussage anzusehen“, sagt der Vorsitzende Richter Gundolf Rüge. Der Angeklagte betreute nach eigener Aussage bis zu 200 Bienenvölker. Mit seinem Unternehmen, welches auch Honig von anderen Produzenten einkauft, habe er im vergangenen Jahr rund 2000 Tonnen Honig umgesetzt. Betrugsabsichten habe er dennoch nicht gehabt. „China-Honig ist viel flüssiger als deutscher Honig, das ist der billigste der Welt“, so der 29-Jährige. Wenn er mit Absicht ein günstigeres Produkt an seinen Münchner Geschäftspartner hätte liefern wollen, so hätte er sich für ein osteuropäisches Produkt entschieden.

Auf Nachfragen Rüges zu der Lagerung und Etikettierung des Honigs im Stendaler Unternehmen gab der Angeklagte zu, dass er sehr viel Honig umsetze und die Halle sehr klein sei. „Die Fässer mit Honig sind oft nicht gekennzeichnet, das gebe ich zu“, so der Beschuldigte. Ein Lkw-Fahrer habe dann den falschen Honig geladen und diesen nach Bayern transportiert. „Ich habe keine Ahnung, wie der Fahrer das verwechselt hat“, gibt der 29-Jährige an. Die korrekte Etikettierung sei jedoch eine Vertragsgrundlage gewesen, kontert Rüge. „Oft kleben wir Etiketten an die Fässer, manchmal auch nicht. Das richte sich auch danach, wie intensiv die Geschäftsbeziehungen zu den einzelnen Firmen seien. Im Falle des Münchner Unternehmens sei auch nicht bei jedem Auftrag ein Lieferschein vorhanden. Der 29-Jährige beliefere auch andere Unternehmen mit großen Mengen Honig, etwa 1000 Tonnen nach Braunschweig.

Interessant ist hierbei auch, dass die Anzeige gegen den Unternehmer und Imker nicht vom betroffenen Unternehmen ausging. Anzeige erstattete hier der Landkreis Stendal. Am 30. Juni 2015 habe das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt die Staatsanwaltschaft mit dem Verdacht einer Straftat kontaktiert. Auch habe der Angeklagte zu keiner Zeit Geld für die falsche Lieferung des China-Honigs erhalten. Der Prozess wurde am gestrigen Dienstag unterbrochen. Einen Fortsetzungstermin im Honig-Prozess gibt es laut Gerichtssprecherin Stefanie Hüttermann derzeit nicht.

Von Mike Höpfner

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