EC Wawel droht das Abstellgleis

Gar nicht wenige Fahrgäste steigen täglich in Stendal in den Eurocity.Fotos (2): Pusch

Stendal - Von Thomas Pusch. Der Eurocity Wawel, der Hamburg mit Krakau über Stendal und Berlin verbindet, scheint wieder zur Disposition zu stehen. So schreibt es zumindest der „Bahn-Report“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Nein, der Inbegriff des luxuriösen Reisens ist der EC Wawel, benannt nach der Burg in seinem Zielort Krakau, wirklich nicht. Täglich fährt er morgens von Hamburg über Stendal, Berlin und Cottbus nach Polen, am Nachmittag geht es in die umgekehrte Richtung. Zumeist mit vier Waggons, zwei deutschen und zwei polnischen, Letztere im Winter öfter ungeheizt und dunkel, bestückt, führt er seit einigen Jahren noch nicht einmal mehr einen Speisewagen, selten nur ein Verkaufsabteil. Und dennoch wird er von Altmärkern gut genutzt, ist er doch die einzige Direktverbindung nach Hamburg von Stendal und Salzwedel, für die Salzwedeler – von einem Freitagszug abgesehen – der einzige direkte und für die Stendaler der schnellste Weg nach Berlin.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. „Wie weiter, EC Wawel“, fragt der „Bahn-Report“ in seiner jüngsten Ausgabe. Inzwischen sei öffentlich, was dem Reisenden oder aufmerksamen Beobachter schon lange geschwant habe, heißt es darin. DB Fernverkehr und die polnische Gesellschaft PKP Intercity hätten bei dem gut besuchten Regionalforum „Schnelle Zugverbindungen zwischen Berlin, Dresden und Wroclaw“ in Berlin bekundet, dass das Zugpaar EC 340 / 341 Krakow-Wroclaw-Hamburg-Berlin der Einstellung nahe sei. Zwar wäre Rettung möglich und gerade von polnischer Seite würden verschiedene Varianten vorgestellt, doch drohe ein langfristig tragfähiges Konzept an fehlender Einigkeit der beteiligten Bahnen zu scheitern.

Der „Wawel“ stelle derzeit zwar das einzige Zugpaar zwischen Deutschland und dem südlichen Polen dar, jedoch würden die Nutzerzahlen beständig sinken. Ebenso wie die Attraktivität, was nicht nur am fehlenden Speisewagen liege, sondern auch an den immer häufiger ausfallenden Erste-Klasse-Waggons oder auch der sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit.

Die hat ihre Ursache allerdings weit entfernt von der Altmark. Besonders der Abschnitt zwischen Berlin und Wroclaw sei dafür verantwortlich. Der Zustand der befahrenen Strecken lasse aufgrund der jahrzehntelangen Vernachlässigung kein höheres Tempo zu, so dass auf diesem Streckenabschnitt nur 58 Stundenkilometer erreicht würden.

Sollte „Wawel“ tatsächlich eingestellt werden, würde sich die Fahrzeit von Stendal nach Hamburg von 1:55 auf mindestens 2:19 Stunden verlängern. Von Salzwedel würde es mindestens eine halbe Stunde länger dauern, um nach Berlin zu kommen.

Von der Bahn kam gestern auf die schriftliche Anfrage nach einer Stellungnahme keine Reaktion.

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