Diskussion um Rathaus-Lift im Stadtrat / Klaus Schmotz für „Steuerungsveränderung“

„Was muss ein Fahrstuhl können?“

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Sorgt weiterhin für Diskussionen: der Fahrstuhl im Stendaler Rathaus, den Besucher nur im Beisein von geschulten Verwaltungsangestellten benutzen können.

Stendal. Der Fahrstuhl im Stendaler Rathaus bleibt auch weiterhin ein Zankapfel. Wenn ihn jemand benutzen will, muss immer ein dafür geschulter Mitarbeiter aus der Verwaltung dabei sein und den Knopf so lange gedrückt halten, bis die gewünschte Etage erreicht ist.

Und das seit August 2009. Nachdem die Verwaltung im März vergangenen Jahres offenbarte, dass nun ein neuer Lift für rund 200.000 Euro eingebaut werden soll, war der Ärger in den politischen Gremien und bei den Bürgern groß. Am Montagabend stand der Lift auch auf der Tagesordnung des Stendaler Stadtrates. Anlass war ein Antrag der Fraktion „Die Linke – Bündnis90/Die Grünen“, Geld für die Sanierung beziehungsweise den Neubau in den Haushalt einzustellen.

„Das Hochbauamt hat angekündigt, dass dem Stadtentwicklungsausschuss im April drei Varianten von der Verwaltung zur Sanierung bzw. zum Umbau des Fahrstuhles vorgeschlagen werden“, sagt Fraktionschef Joachim Röxe. Dafür sollten 200.000 Euro im städtischen Haushalt veranschlagt werden. Somit wäre Geld vorhanden, wenn tatsächlich ein neuer Fahrstuhl angeschafft werden müsste. Der sogenannte Multi-Lift, der Besucher des Rathauses derzeit in die oberen Etagen befördert, hat seinerzeit 184.700 Euro gekostet. Doch nicht alle Stadtratsmitglieder stimmten dem Antrag von Röxes Fraktion zu.

„Ich habe da eine etwas andere Auffassung“, sagt Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Die Frage, die man sich hier stellen müsse, laute: „Was muss ein Fahrstuhl können?“ Der im Rathaus eingebaute Lift würde alle notwendigen Aufgaben erfüllen. Schmotz bevorzugt eine „Steuerungsveränderung“. „Das würde bedeuten, dass man ihn normal benutzen kann wie jeden anderen Aufzug“, so Schmotz, „und die Variante greift nicht in die bestehende Hülle und das Ensemble des Rathauses ein.“

Der Fahrstuhl machte bereits über die Stadtgrenzen hinaus Schlagzeilen. Denn selbst der Bund der Steuerzahler hat den Stendaler Rathauslift in sein Schwarzbuch aufgenommen, in dem akute Fälle von Steuergeldverschwendung aufgelistet werden. „Dieser Medienrummel hat dafür gesorgt, dass wir zusätzliche Besichtigungsanfragen erhalten haben“, sagt Schmotz am Montagabend. Zudem seien aus der Versteigerung der Raks-Wohnblöcke in Stendal Süd Rücklagen in Höhe von knapp 200.000 Euro entstanden, die genützt werden könnten. Letzten Endes fand Röxes Antrag bei zehn Ja- und 25 Nein-Stimmen keine Mehrheit.

Von Mike Höpfner

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Medienrummel: 

Das Satiremagazin Extra3 beschäftigte sich auch schon mit dem Stendaler Fahrstuhl.

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