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„Was für ein Kaventsmann“

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Vier Jahrzehnte stand die vier Tonnen schwere Tanne in Müllers Garten: Bis Anfang 2013 beobachtet der imposante Grünling nun das Treiben auf dem Marktplatz, bis er dort entastet und in Scheiben geschnitten zum Abtransport bereitgemacht wird. Fotos (5): Mahrhold
Vier Jahrzehnte stand die vier Tonnen schwere Tanne in Müllers Garten: Bis Anfang 2013 beobachtet der imposante Grünling nun das Treiben auf dem Marktplatz, bis er dort entastet und in Scheiben geschnitten zum Abtransport bereitgemacht wird. Fotos (5): Mahrhold

Stendal. Tannenduft-Wolke im Sonnenlicht gestern Vormittag in der Mitte der Hansestadt: Ein Mammut-Weihnachtsbaum entert die neue Hülse im Marktplatz-Untergrund. Ein solch ausgewachsenes Exemplar hat Stendal bislang nicht gesehen.

„Ein bisschen Wehmut ist dabei“, gesteht Baum-Spender Wilhelm Müller. Im Garten des Traditionskonditors wuchs die 21 Meter hohe Blautanne vier Jahrzehnte lang als Einzelbaum zu beachtlicher Breite heran. Die Dimension des Kienapfel-Lieferanten ist etwa doppelt so breit wie die Ladefläche des Tiefladers. Ein 80-Tonnen-Spezialkran hievt den Vier-Tonnen-Brocken vom Müllerschen Grundstück. 70 Zentimeter Durchmesser misst der Stamm. Die Transport-Riege ist auf dem Ramelow-Parkplatz postiert.

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Es knarzt, knackt, rauscht und ruckelt, bis der Baum nach gut einer Stunde Feinarbeit seine Transportposition erreicht. „Alles ist vergänglich“, erklärt Müller, während Stadt-Info-Chef Michael Standke die Baum-Crew einweist. Polizei-Blaulicht flammt auf und ein Tross Schaulustiger lugt vom Winckelmannplatz aufs Nadelöhr an der Ecke Bruchstraße. Aber auch das meistert der Baum-Tross souverän, aber gemächlich: Millimeter für Millimeter. Nicht so eng wirds am Kornmarkt, wo der Riese mit seinen Pieksästen das Rathaus streichelt. Dafür aber stockt der Tross, bis eine Falschparkerin ihren Honda wegfährt. Dann endlich kann auch der Roland einen Blick auf seine neue Nachbarin werfen. „Sie hat alles gut überstanden“, kommentiert derweil Baum--Spenderin Renate Müller beim Anblick ihres auf dem Markt strammstehenden Ex-Gartenlieblings „Was für ein Kaventsmann“, ruft eine Passantin. „So einen großen hatte Stendal noch nie“, bestätigt Standke. Auch er mit Wehmut. Es ist sein letzter Baum vorm Ruhestand.

Von Antje Mahrhold

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