Bundestagswahl 2021 / Von der Schwäche der Gegner profitiert / Ampel ist bevorzugte Koalition

Wahlsieger Dr. Herbert Wollmann (SPD): Linke Politik durchsetzen

Dr. Herbert Wollmann steht vor seinem Wahlkampfauto.
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Dr. Herbert Wollmann kann sich über ein starkes Wahlergebnis freuen und zieht erstmals in den Bundestag ein.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Wahlsieger Dr. Herbert Wollmann (SPD) kann sich über ein starkes Ergebnis freuen. Neben seinem Sieg im Kampf um das Direktmandat konnte seine Partei ihr Ergebnis im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl verdreifachen.

Stendal – Dr. Herbert Wollmann kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Dass Armin Laschet den gleichen Fehler wie Gerhardt Schröder macht und nach einer verlorenen Wahl die Regierungsbildung für sich beansprucht, habe schon etwas Erheiterndes. „Dass Laschet in die gleichen Fußstapfen tritt wie Schröder ist bemerkenswert“, erklärt er. Aber so ein Auftritt sei peinlich, wenn man eine Wahl so in den Sand gesetzt hat. Aber auch neben diesem Fauxpas hat der SPD-Kandidat Grund zur guten Laune. 27,51 Prozent der Wähler haben ihm das Vertrauen ausgesprochen. Vom Zweitplatzierten Uwe Harms (CDU, 21,78 Prozent) trennen ihn fast sechs Prozent. Bei den Zweitstimmen ist die Differenz, 27,42 Prozent zu 20,94 Prozent, noch deutlicher. Einen Wahlsieg habe er zwar erwartet, aber eher mit einem Vorsprung von zwei Prozent gerechnet. Auch dieses Ergebnis sei bemerkenswert.

Für das gute Abschneiden der Sozialdemokraten gebe es mehrere Gründe. Zum einen habe natürlich das starke Auftreten der Bundes-SPD gezogen. Aber auch bei den Direktkandidaten sehe er sich, ähnlich wie in der Bundespolitik, im Vorteil. „Scholz hat von der Schwäche seiner Gegner profitiert. Die haben sich selbst ein Bein gestellt. Heruntergebrochen war es hier auch so“, sagt Wollmann. Der Wegfall von Zugpferden nach dem Briefwahlskandal habe ein Vakuum hinterlassen. Schon bei dem Kampf um den Landratsposten habe die CDU geglaubt, ohne Wahlkampf Mandate gewinnen zu können. „Das ist offensichtlich nicht mehr möglich. Man muss sich reinknien“, stellt der Mediziner fest, betont aber auch die Ausnahme Xenia Schüßlers (CDU), die ein gutes Ergebnis bei der Landtagswahl erkämpft, aber eben auch Wahlkampf betrieben habe. In diesem Umfeld habe er sich als starker Kandidat für die Region positionieren können.

Wollmann geht davon aus, dass es zur Ampelkoalition im Bund kommen wird. Ein Bündnis von CDU, Grünen und FDP schließe er aus. „Wenn die Grünen das machen, stürzen sie ab“, ist er sich sicher. Die einzig sinnvolle Alternative und seine derzeitige Wunschkoalition (AZ berichtete) bleibe damit die Ampel. Auch wenn sich Olaf Scholz nicht 100 Prozent festgelegt hätte, habe er doch immer deutlicher gemacht, dass ein theoretisches Rot-Rot-Grünen-Bündnis nicht möglich sei. Dieser Kombination blicke er daher nicht traurig hinterher. „Wenn die deutsche Wählerschaft kein starkes Linksbündnis wählt, muss man sehen, dass man linke Politik der SPD ohne Linkspartei durchsetzt.“ Dass eine Zusammenarbeit mit der FDP funktioniert, zeige sich bereits seit Jahren am Stendaler Stadtrat und der Zusammenarbeit mit Marcus Faber.

Mit seinem starken Abschneiden komme auch die Verantwortung. Vor der Wahl habe er mit vielen Menschen gesprochen. „Bei so einem überzeugenden Ergebnis habe ich auch eine Verantwortung gegenüber denen, die mich gewählt haben“, erklärt Wollmann. Wahrscheinlich werde auch ein Bundestagsbüro an einer repräsentativen Stelle in der Hansestadt eröffnet werden, damit Bürger ihre Anliegen auf kurzem Weg vorbeibringen können. „Ich hoffe, dass ich mich ein wenig intensiver um die Altmark kümmern kann, als es die bisherigen Kandidaten gemacht haben.“ Trotz seiner zusätzlichen Verpflichtungen in Berlin wolle er weiter im Stadtrat aktiv sein, aber vermutlich nicht mehr als Fraktionsvorsitzender. Auch für seine Arztpraxis stünden Änderungen an. Er hoffe, dass er stundenweise noch weiterarbeiten könne, hat aber eine Fachärztin für Allgemeinmedizin und eine für Innere Medizin eingestellt.

Für seine Zeit in Berlin würde er sich wünschen, im Außen, Gesundheits- oder Sportausschuss mitzuarbeiten. „Außenpolitik hat mich schon immer interessiert. Durch die Pandemie ist das ein wenig in den Hintergrund geraten“, erklärt er. Auf die Frage, ob er sich einen Außen- oder Gesundheitsminister-Posten vorstellen könne, muss Wollmann wieder lachen. Direkt als Minister anfangen, wäre eine Nummer zu hoch. „Lassen Sie mich das Ganze erst mal zwei Jahre beobachten. Dann weiß man, was passiert.“

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