Freier Träger will Familienzentrum vor Insolvenz retten / Eltern weiter besorgt

„Das wäre der Super-GAU“

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Eltern um Vertreterin Birgit Pander (M.) kämpfen für ihre Kinder um den Erhalt des Färberhofs. Gespräche mit möglichen neuen Trägern sind in Gange.

Stendal – Entgegen des Plans, wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten am 10. Dezember Insolvenz anzumelden, habe Färberhof-Geschäftsführerin Marika Mund freie Träger ins Boot geholt, um den Fortbestand des 2005 an der Hohen Bude eröffneten Familienzentrums zu ermöglichen.

Welche Interessierten das seien, will Mund nicht sagen. Für die Familien der 82 Kinder, die in der Einrichtung in der Altstadt betreut werden, wäre das Ende jedenfalls „der Super-GAU“, wie eine Elternvertreterin der AZ erklärt hat. Die Mütter und Väter seien auf Nacht- und Wochenendbetreuungszeiten aus beruflichen Gründen angewiesen.

Viel Unverständnis habe das bisherige Verhalten der Stadtverwaltung in der Angelegenheit bei Geschäftsführerin und Eltern hervorgerufen. Mit einem Gesetzentwurf auf Bundesebene von Mitte November sei auf kommunaler Ebene mit sechs bis sieben geförderten Planstellen für Stendal zu rechnen.

Auf diese Stellen habe man sich bereits beworben. Unterstützung werde nach Angaben laut Mund lediglich im Bereich des Tagesgeschäfts benötigt. Die Nacht- und Wochenendbetreuung werde durch Bundesförderung und Zuschläge bei den Beiträgen finanziert. Die Summe von 101 867 Euro sei auch nicht zu hoch, um eine Betreuung der Kinder für Familien aus Stendal und dem Umland zu ermöglichen.

Zuletzt habe die Stadt einer Stundung der Rückstände aus der Vergangenheit nicht zugestimmt und diese stattdessen direkt mit Zuschüssen für die Zukunft aufgerechnet. Juristische Verfahren seien zu zeitaufwendig, auch wenn Erfolgsaussichten bestünden. Zwei bis drei Jahre müsse an auf einen Gerichtsentscheid gewartet werden. Ein Konsolidierungskonzept, wie es die Stadt fordere, um weitere Verhandlungen mit dem Färberhof zu führen, könne nach Absprache mit der Hausbank und dem Steuerbüro nicht vorgelegt werden, berichtet die Geschäftsführerin. Vielmehr sei ein „Optimierungskonzept“ bereits im Oktober vorgelegt worden. Sämtliche Informationen seien dort enthalten, betont Mund. Die Stadtverwaltung klammere sich an „Begrifflichkeiten“ fest und es entstehe der Eindruck, dass der Färberhof unerwünscht.

Eltern sind aber weiter besorgt, weil sie nicht wissen, wie künftige Betreuungszeiten sein werden. Sie fragten deswegen Montagabend im Stadtrat nach. Eine „Fortführung der Einrichtung“ sei möglich, antwortete ihnen OB Klaus Schmotz.

 VON SIMON GERSTNER

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