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Wachsen im Mittelpunkt

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Heilpädagogin Tabea Makowka muss Jonas nicht lange bitten, grüne Tellerlinsen in die Plastikschüssel rieseln zu lassen. Der Vierjährige ist wegen einer Entwicklungsverzögerung in der Frühförderstelle der Lebenshilfe in Stadtsee in Behandlung. Foto: Mahrhold
Heilpädagogin Tabea Makowka muss Jonas nicht lange bitten, grüne Tellerlinsen in die Plastikschüssel rieseln zu lassen. Der Vierjährige ist wegen einer Entwicklungsverzögerung in der Frühförderstelle der Lebenshilfe in Stadtsee in Behandlung. Foto: Mahrhold

Stendal. Was Aschenputtel nicht geschadet hat, macht Jonas stark. Der scheue Vierjährige stülpt seinen gelben Bauklotz bis zum Ellenbogen in die transparente Schüssel mit grünen Tellerlinsen. „Das raschelt so schön“, lächelt der Stendaler seine Mutter an.

Da hat Heilpädagogin Tabea Makowka mal wieder leichtes Spiel, die Persönlichkeit des schüchternen Jungen spielerisch, aber nach ganzheitlichem Konzept zu stärken. „Entwicklungsverzögerung“ laute die Diagnose, berichtet die Mitarbeiterin der Frühförderstelle der AZ.

Die seit 1994 existierende Einrichtung hat ihren Sitz im ältesten Teil von Stadtsee, im Elfgeschosser Nachtigal-Straße, wo die Altstadt ans Großwohngebiet grenzt. In der ersten Etage kümmert sich das vierköpfige Team Stendal von Frühförderstellen-Leiterin Edeltraud Jahnke um derzeit 63 Vorschüler, deren vielfältige Handicaps nach Profi-Stunden verlangen. Koordination, Motorik, Konzentration, Ausdauer, altersgerechte Kommunikation, Kreativität, Fantasie, visuelle und auditive Wahrnehmung, kognitive Fähigkeiten – das Einsatzgebiet der Ergotherapeuten und Heil-, Sozial- und Rehabilitationspädagogen ist lang. Auch in der Integrativen Kindertagesstätte „Waldzwerge“ in Flessau unterhält die Trägereinrichtung Lebenshilfe eine Frühförderstelle, die ihren Sitz 2013 allerdings in zentralere Lage nach Osterburg verlegen werde, berichtet Jahnke der AZ. Auch dort sind vier Experten für den frühen Förderbedarf von derzeit 43 jungen Altmärkern im Einsatz – und sind dies wie in Stendal oft als mobile Kräfte, die ihre förderbedürftigen Patienten in vertrauter häuslicher Atmosphäre aufsuchen.

„Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig“, betont Jahnke. Sie beobachtet oft, wie sehr es die Mädchen und Jungen genießen, wenn sie mit der Therapeutin im Beisein von Mutter oder Vater in einem der drei Förderzimmer an der Nachtigal-Straße voll und ganz im Mittelpunkt stehen dürfen. Viele der Mädchen und Jungen wurden bei Kinderärzten oder in Kindertagesstätten auffällig. Etwa weil sie nur wenig nicht sprechen, schlecht hören oder sehen, extrem ängstlich oder unruhig sind, kaum oder gar nicht auf Ansprache oder Anlächeln reagieren, ungeschickt sind oder häufig hinfallen.

Von Antje Mahrhold

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