Von Woche zu Woche

Verwalter sitzen hoch und trocken

Den Tangermündern wurde diese Woche Angst und Bange. Das Wasser kam von oben, aber es kam – wie beim Elbehochwasser 2013 – in Massen. Ein Jahr ist die jüngste, verheerende Flut her, in den Köpfen der Betroffenen ist sie allgegenwärtig.

Resignation macht sich zum Teil breit, weil die großartigen Versprechungen kurz nach der Katastrophe nicht eingehalten wurden. Die Deiche sind noch immer nicht sicher, werden es vermutlich nie wirklich sein. Spendengeld ist angekommen, die offiziellen Stellen tun sich schwer, bürokratische Hürden verhindern, dass die Hilfe schnell fließt.

Der Landkreis Stendal hat Deiche auf einer Länge von 408 Kilometern. Das ist enorm. Der größte Anteil entfällt mit 130 Kilometern auf die Elbdeiche. Man kann die Deiche nicht so hoch bauen, dass sie absoluten Schutz bieten – das wurde bei der Hochwasserkonferenz in dieser Woche realistisch eingeschätzt. Jetzt und in den kommenden Jahren müsse der Hochwasserschutz effektiv geplant werden, mahnte Landrat Carsten Wulfänger, der im Juni 2013 als Katastrophenmanager fungierte. Wenn man jetzt beginnt zu planen – wann wird dann gehandelt? Wie viele Hochwasser müssen die Menschen noch ertragen? Bis 2020 – bis dahin soll die geplante Deichsanierung abgeschlossen sein – fließt noch viel Wasser die Elbe hinunter. Und Hochwasser gibt es nicht erst seit 2013.

Staatssekretärin Anne-Marie Keding sagte, dass die Bauvorhaben an den Deichen schon nach dem Hochwasser 2002 begonnen haben. Knapp die Hälfte sei fertig. Jetzt haben wir 2014. Warum dauert das so lange? Zwölf Jahre sind ins Land gegangen. Dauert die andere Hälfte auch so lange, schreiben wir das Jahr 2026.

Es dauert einfach zu lange, bis sich diejenigen, die in den Deichbau involviert sind, zusammenfinden. Es dauert zu lange, bis sie ein Konzept erarbeiten. Und es dauert zu lange, die Behörden darin zu verwickeln, die prüfen, prüfen, prüfen ...

98 Millionen Euro sind für die Beseitigung der Hochwasserschäden im Landkreis Stendal im Fluttopf. Es wurden Anträge gestellt, die vielleicht nicht hundertprozentig richtig ausgefüllt waren – Experten boten und bieten Sprechstunden vor Ort dafür an – das ist für die Opfer zermürbend und muss doch auch einfacher gehen. Die Menschen brauchten das Geld sofort und nicht erst Monate oder Jahre später. Mehr als 300 haben das Elbe-Havel-Land seit dem Hochwasser 2013 schon verlassen.

Der Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, Burkhard Henning, betonte bei der Hochwasserkonferenz, wie wichtig ein „nachhaltiges Schutzkonzept“ sei. Und die aktuellen Gefahrenkarten müssten überarbeitet werden. Warum ist das nicht schon längst passiert? Worte allein genügen nicht. Es wird Zeit, dass sich an den Schreibtischen endlich etwas tut. In den Behörden sitzt man ja hoch und trocken ...

Von Ulrike Meineke

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