Von Woche zu Woche

Vertreibung löst das Problem nicht

Man wirbt für Toleranz, grenzt aber die eine, wenn auch extreme Seite ganz aus. Diskutieren Sie nicht mit den völkisch-rechten Siedlern, sollten Sie Ihnen begegnen, rät Anna Schmidt. Kaufen Sie keine landwirtschaftlichen Bio-Waren von den vermeintlich netten Nachbarn, damit die keine Existenzgrundlage haben.

Wir sollen also diese Siedler mit ihrer rassistischen und antisemitischen Weltanschauung meiden, wo wir können. Und hoffen, dass sie bald weggehen.

Wichtig und richtig war wohl in jedem Fall, dass Anna Schmidt, eine Autorin, die in Sachen völkisch-rechtes Siedlungskonzept recherchiert hat, über dieses „Phänomen“ aufgeklärt hat. Und dass diese Außenseiter, die als alternative Aussteiger rüberkommen, ein Thema sind, bewies das große Interesse an dem Info-Abend in Seehausen in dieser Woche. Klar wurde dort: Es gibt die völkisch-rechten Siedler bei uns in der Altmark. Wir wissen jetzt, dass wir sie an ihren langen Röcken bzw. der Zimmermannskluft erkennen, dass sie meist Selbstversorger sind und eigene Wirtschaftskreisläufe aufbauen, dass sie gern auf abgelegenen Höfen leben und sich etwa als Mitglied in Volkstanzgruppen in die Dorfgemeinschaft einfügen. Aber wir sollen nicht mit ihnen über ihre Weltanschauung reden und unsere Kinder nicht zu Geburtstagen von Siedler-Kindern schicken, damit sie von diesen Einflüssen ferngehalten werden. Und Kinder sollen diese Siedler ja reichlich haben, um ihre „Artgemeinschaft“ zu fördern.

Deutsche Frauen gebären nur deutsche Kinder – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist heftig und macht unmissverständlich klar, dass Multikulti bei diesen völkisch-rechten Siedlern keinen Platz hat. Sie sollen in ihrer Weltanschauung „sehr gefestigt“ sein, sagt Anna Schmidt, dagegen komme man mit Argumenten nicht an.

Das mag sein. Aber sie ignorieren und vertreiben – ist das der richtige Weg? Dann gehen sie woanders hin. Sie vermehren sich weiter, erziehen ihre Kinder in ihrem Sinne, die bekommen wieder Kinder. Wenn sie aus unserer Nachbarschaft verschwinden, können wir aufatmen? „Man will sie anderswo doch auch nicht, man will sie gar nicht“, brachte es ein Bürgermeister aus der Wische bei der Gesprächsrunde in Seehausen auf den Punkt.

Das Ziel dieser Siedler soll sein, langfristig sozusagen beim Gespräch übern Gartenzaun ihre Ideologie zu verbreiten. Natürlich sollte man diesen rechten Ansichten kein Podium geben, aber erreichen wir wirklich etwas mit Ignoranz, während sich diese Siedler weiter vermehren und vernetzen?

Eine Patentlösung gibt es wohl nicht – noch nicht. Dafür ist dieses „Phänomen“ noch zu frisch. Der Info-Abend kann nicht alles gewesen sein. Es muss weitergehen, damit Strategien erdacht werden, die nicht auf eine bloße Vertreibung hinauslaufen. Denn das behebt das Grundübel nicht.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare