Rathaus will Spielregeln verschärfen

Misstöne um Straßenmusik in Stendal

Straßenmusiker David Banik steht mit Gitarre auf der Breiten Straße in Stendal.
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Bei fast jeder Witterung treibt es Straßenmusiker David Banik in die Stendaler Innenstadt. Natürlich suche er sich einigermaßen sonnige Plätzchen und packe die Gitarre möglichst nahe den Laufwegen der Menschen aus.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Sie gefallen offenbar nicht immer und überall: Straßenmusiker in Stendal sollen nicht mehr so einfach länger aufspielen können. Die Stadtverwaltung will eine Satzung ändern lassen. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Stendal – Die Menschen haben ein Herz und ein Ohr für Straßenmusik, auch und gerade in Coronazeiten. David Banik ist davon fest überzeugt. Fast täglich und in Vollzeit packt der 29-Jährige seine Gitarre vornehmlich auf der Breiten Straße, der Einkaufsmeile in Stendal, aus. Dass Anwohner davon auch einmal genervt sein könnten, will der Altmärker im Gespräch mit der AZ nicht so recht glauben. „Wenn überhaupt, dann sind es zwei oder drei. Und die haben noch nicht einmal den Schneid, mir das ins Gesicht zu sagen.“ Für Unmut sorge vielmehr das städtische Ordnungsamt. Während der Einwohnerfragestunde des Kulturausschusses in dieser Woche klagte der Künstler sein Leid.

Nein, das Ordnungsamt könne nicht einfach die Spielregeln für Straßenmusiker ändern oder eine andere Behörde dazu anweisen, dies zu tun. Die Macht dazu habe letztendlich allein der Stadtrat, hieß es. Dass ein Ordnungshüter angekündigt haben soll, Musik und Gesang bei Anwohnerbeschwerden künftig auf eine halbe Stunde pro Standort und an drei Standorten pro Tag begrenzen zu können, kommentierte im Fachausschuss niemand großartig. Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung konnten in diesem Moment nicht abschließend sagen, ob auf der Straße bald ein anderer Ton herrschen könnte. Und doch sollen die Arbeitsbedingungen für Banik und Kollegen ganz offensichtlich verschärft werden.

David Banik sieht Behörde kritisch

„Das zuständige Tiefbauamt arbeitet derzeit an einer Überarbeitung der Straßensondernutzungssatzung“, teilt Rathaussprecher Armin Fischbach auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Den Ordnungskräften solle schlichtweg eine „rechtliche Handhabe“ gegeben werden. Straßenmusik ohne Verstärker oder Lautsprecher bleibt demnach eine „erlaubnisfreie Sondernutzung“, wird jedoch mit örtlichen und zeitlichen Einschränkungen versehen. Wie genau diese aussehen sollen, lässt Fischbach offen. „Analog zu vielen anderen Städten soll mit dieser geänderten Satzung auch die Dauer der Auftritte beschränkt werden.“ Der Musiker müsste also ein Stück weiterziehen, üblich seien zwischen 100 und 150 Meter.

Stadtrat entscheidet und nicht Ordnungsamt

Natürlich werde zuvor in den politischen Gremien beratschlagt. Über eine geänderte Satzung entscheidet der Stadtrat voraussichtlich am 31. Mai. Weil bislang keine Erlaubnis nötig war, kann der Rathaussprecher nicht sagen, wie viele Musiker es überhaupt sind. „Beschwerden über den konkreten Fall gab und gibt es bereits einige. Beinahe täglich melden sich Menschen.“ Der Vorwurf fast immer: Es werde stundenlang an derselben Stelle musiziert. Das Ordnungsamt habe stets das Gespräch gesucht und einen Standortwechsel angeraten, um Firmen und Büros „vor der permanenten Musik zu schonen“. Ein Platzverweis sei bislang nicht ausgesprochen worden, ein Verwarngeld nie verhängt.

Altmärker bangt um diese Existenz

Er führe ein Leben als „vollkommener Musiker“, wie Banik selbst sagt. Bereits am Vormittag holt er seine Gitarre raus, der Arbeitstag ist ähnlich lang wie die eines Angestellten und doch ganz anders. Was am Ende an Geld in dem Koffer landet, weiß der junge Mann natürlich nie. „Musik ist meine Lebensgrundlage, ich bin kein Hobbykünstler. Klar würde ich auch das eine oder andere organisierte Konzert geben, doch das geht ja momentan alles nicht.“ Er spielt Werke von Künstlern wie Bob Dylan und Rolling Stones sowie eigene Sachen, ein Album sei gerade in Arbeit. Banik steht auf der Einkaufsstraße, singt und bedient gekonnt sein Instrument. Die Saiten eines Straßenmusikers in Stendal.

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