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Versandriese Amazon flutet Stendal mit Packstationen

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Amazon-Locker steht vor einem Plattenbau.
Die von Amazon als Locker bezeichneten Packstationen des Internetversandriesen sind mittlerweile nicht mehr nur vereinzelt in der Hansestadt zu sehen. © Hartmann, Stefan

Gefühlt vor jedem zweiten Hauseingang steht eine Packstation. Amazon hat seine Infrastruktur in Stendal ausgebaut und dabei sogar die Post abgehängt.

Stendal – Zuerst waren es nur wenige, dann wurden es immer mehr: Der Versandriese Amazon hat mittlerweile 14 seiner Locker genannten Packstationen in der Hansestadt Stendal aufgestellt. DHL bietet nur eine halb so große Menge an. Aber auch im Vergleich mit anderen Städten ist die Zahl außergewöhnlich. Während die deutlich einwohnerschwächeren Städte Salzwedel und Gardelegen nur einen beziehungsweise zwei Locker vorweisen können, muss sich sogar Wolfsburg mit nur sechs Lockern zufriedengeben. In der näheren Umgebung hat nur Magdeburg mehr Amazon-Packstationen – und auch da ist es knapp.

Bei Anfragen, wieso das Locker-Netzwerk in Stendal so dicht geknüpft ist, ob Mindestabstände zwischen den Stationen vorgesehen sind oder welche Kriterien für die Aufstellung gewählt werden, stellt der Internetkonzern zunächst auf Durchzug. „Ich bitte um Verständnis, dass wir zu diesen Details auf lokaler Ebene keine Informationen zur Verfügung stellen können“, erklärt ein Amazon-Sprecher auf AZ-Nachfrage. Ebenfalls wenig aufschlussreich sind die Antworten, die die Wohnungsbaugenossenschaft Altmark (WBGA) in Rücksprache mit dem Konzern geben darf. Auf ihrem Gelände steht derzeit etwas mehr als eine Handvoll der Packstationen – wofür sie eine Gebühr erhält, wie Geschäftsführer Lars Schirmer erklärt. Hintergrund für das Aufstellen der Stationen sei jedoch, dass die WBGA bestrebt sei, allen Bewohnern attraktive Konditionen anzubieten und CO2-Emissionen zu verringern, indem die Zustellung beim ersten Versuch vereinfacht wird.

Nach dieser kurzen Rückmeldung ist auch Amazon aufgewacht und beantwortet doch noch ein paar der gestellten Fragen, anstatt einen Standardwerbetext für seine Packstationen zu übermitteln. 14 Locker zählt auch der Konzern in Stendal, ob und wo weitere entstehen sollen, beispielsweise in weiteren Orten des Landkreises, die bislang nicht mit Packstationen gesegnet sind, könne allerdings nichts gesagt werden. Locker würden da aufgestellt werden, wo die Kunden sind. Dabei solle sichergestellt werden, dass alle eine Abholstation finden, die zu ihrem Tagesablauf passt. Ob das im Umkehrschluss bedeutet, dass die Stendaler im Vergleich mit anderen Städten der Altmark und offenbar auch darüber hinaus besonders viel bestellen, lässt der Konzern ebenfalls unbeantwortet.

Deutlich auskunftsfreudiger zeigt sich hingegen Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG). „Erstmal haben wir keine“, stellt Jircik den aktuellen Stand der Amazon-Packstationen auf SWG-Gelände fest. Kontakt habe es jedoch gegeben. Letztendlich wurde daraus jedoch nichts. Unter anderem, so vermutet er, weil an anderen Orten in der Stadt welche aufgestellt wurden. Das sei für eine Stadt dieser Größe ausreichend, habe Jircik auch mit seinem Team so besprochen. Traurig darum, dass die SWG nun keine Packstationen auf ihrem Gelände habe, sei er aber keineswegs. Klar, Packstationen seien sehr serviceorientiert. „Es klappt ja nie mit den Paketen“, teilt auch Jircik eine universelle Erfahrung mit dem Rest der Bevölkerung. Da sei es schon besser, eine feste Station als Anliegerpunkt zu haben, als sich vom Blick in den Briefkasten überraschen lassen zu müssen, ob das Paket an einem anderen Tag aber unpraktischerweise zur selben Zeit kommt oder doch in irgendeiner Filiale, die bereits beschlossen ist, abgeholt werden kann.

Aber eine Station auf dem eigenen Grundstück zu haben, könne auch zu einer Last werden. „Sie bringen Traffic. Es kommen Leute, die keine Mieter sind, blockieren Parkflächen und laufen über den Rasen“, zählt Jircik auf. Und dann sei noch nicht daran gedacht, dass Lieferdienste die Station erst einmal befüllen und dafür auch aufs Gelände fahren müssen. Ein Blick in die Zukunft sehe potenziell auch nicht rosig aus. Was mit den Stationen passiert, wenn der Vertrag ausläuft oder der Anbieter pleite geht, wer sie entsorgt und abmontiert muss geklärt werden.

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