Behörde sieht trotz Kritik des Vaters keine neuen Ansätze

Vermisstenfall Inga: Staatsanwaltschaft Stendal schaltet auf Durchzug

Jens-Uwe Gehricke und Unterstützer hängen in Uchtspringe und Umgebung Fotos der vermissten Inga auf.
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Jens-Uwe Gehricke und Unterstützer haben Fotos von Inga verteilt und hoffen auf den entscheidenden Hinweis.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Im Vermisstenfall Inga Gehricke bleibt die Staatsanwaltschaft Stendal bei ihrer Linie. Eine Sprecherin sieht momentan keine neuen Ansätze. Zudem soll weiterhin die Polizei in Stendal zuständig sein. Der Vater des vermissten Mädchens hatte die Ermittlungsbehörden in der Altmark-Zeitung kritisiert.

Stendal – Die Äußerungen des Vaters der seit mehr als sechs Jahren vermissten Inga will Brigitte Strullmeier nicht bewerten. „Es ist nicht Aufgabe der Pressestelle der Staatsanwaltschaft, die Ansichten des Vaters von Inga zu kommentieren“, meint sie auf Anfrage der AZ. An Ausrichtung und Federführung der Ermittlungsbehörden scheint sich derweil nichts ändern zu sollen. Jens-Uwe Gehricke hatte in einem AZ-Interview vom Dienstag seine Kritik an Polizei und Staatsanwaltschaft in Stendal noch einmal verstärkt, ein Neuaufrollen des Falls durch andere Ermittler gefordert und nicht zuletzt Wilhelmshof selbst, den Ort des Verschwindens der Tochter, in den Fokus gerückt.

„Die Ermittlungen sind seitens der Polizei bislang von der Polizeiinspektion Stendal geführt worden. Soweit zukünftig diesseits Ersuchen an die Polizei erforderlich werden, soll auch weiterhin die Polizeiinspektion Stendal damit beauftragt werden“, teilt die Vizesprecherin der Staatsanwaltschaft weiter mit. Nach wie vor gingen Hinweise ein. „Diese werden, soweit sie verifizierbare Tatsachen enthalten, überprüft. Bislang sind dabei keine Tatsachen bekannt geworden, aufgrund derer Ermittlungen gegen bestimmte Personen zu führen wären, also ein sogenannter Anfangsverdacht vorläge.“ Im Laufe der Jahre seien mehr als 1500 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen und überprüft worden.

Es verstehe sich von selbst, so Strullmeier, dass zum Ort des Verschwindens „intensive Ermittlungen geführt worden sind“. Auch seien zum Beispiel Mitarbeiter, Patienten und Besucher und „gegebenenfalls weitere Personen, die zur Zeit des Verschwindens vor Ort gewesen sein könnten, eingehend überprüft worden“. Und bitte: Das eigentliche Tatgeschehen sei nach wie vor ungeklärt. „Insbesondere ist offen, ob Inga sexuell missbraucht und/oder getötet, ob sie entführt oder Opfer eines Unfalls geworden ist.“

Ingas Vater hält nach wie vor alles oder vieles für möglich. Im Interview der AZ sagte er: „Aber die Tatsache, dass in mehr als sechs Jahren nichts von Inga gefunden wurde, auch eben nichts zufällig, lässt mehr und mehr den Gedanken wachsen, dass sie doch noch irgendwo ist.“ Und: „Ich glaube nicht an den großen Unbekannten.“ Gehricke, ein Sozialpädagoge, und Unterstützer hatten zu Ingas 12. Geburtstag am 18. August Fotos des Mädchens in Uchtspringe, Wilhelmshof und Stendal verteilt. Der Vater hofft auf den entscheidenden Hinweis. Dass das Landeskriminalamt in Magdeburg neue Ermittlungen führen sollte, fordert der 52-Jährige nun vehement.

Inga aus dem Salzlandkreis verschwand fünfjährig am 2. Mai 2015 während eines Familienausflugs im altmärkischen Wilhelmshof.

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