Edelstein schätzt gesunde Quellzone

Vermisstenfall beeinträchtigt Naturerlebnis – Uchtspringe Ortschef hofft auf mehr Schüler

Ursprung der Uchte bei Uchtspringe.
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Ursprung der Uchte bei Uchtspringe.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Uchtspringe – Sanft und mit viel Wonne plätschert der Ursprung des berühmtesten Flusses der Region.

Am Fuße des Hügels Springberg sucht sich aus mehr als 70 Quellen nährstoff- und sauerstoffarmes Nass seinen Weg aus der Tiefe. Sumpfiges Brackwasser bildet letztlich die 49 Kilometer lange Uchte, welche bei Osterburg in die Biese fließt und von dort über Aland und Elbe in die Nordsee.

Das etwa 200 mal 200 Meter große Gebiet an der Colbitz-Letzlinger Heide gleicht einem Labyrinth. An Quelltümpeln und Quelltrichtern vorbei führt es über Brücken zu ambitionierter Kleinkunst aus Fahrradkettengarnituren an bemoosten Baumstümpfen auf einem Rundweg, der nach der politischen Wende entstanden ist. Die Kraft des „uchtspringenden“ Elements schätzen Menschen seit Jahrhunderten, wie die 1335 im Nachbarort Staats entstandene Wassermühle zeigt.

Kleinkunst am Rundweg durch das Quellgebiet der Uchte.

Dass es, wie in den 1960er-Jahren, auf dem Plateau keine Waldfeste mehr gibt, könne Uchtspringes Ortsbürgermeister noch verschmerzen. Wenig Verständnis jedoch habe Jürgen Schlafke für Anwohner, die die Bedeutung ihres Heimatorts nicht kennen. Und oft nicht wüssten, was für eine fantastische Naturwelt fast mitten im Dorf kurz hinterm Rosenweg liegt. Am Zugang zum Kneipp-Wassertretbecken blühen keine Rosen mehr und die einstige Weidenplantage zur Korbflechtproduktion ist eine Apfelobstwiese. Auch das kann das Ortsoberhaupt verschmerzen. Freuen würde es ihn aber, wenn wieder mehr Schulklassen im Quellgebiet die Natur vor der Haustür sehen würden. Aktuell sei es nur noch die Grundschule Börgitz, die regelmäßig zu Gast sei. Warum Nachwuchs anderer Bildungsstätten mittlerweile nicht mehr nach Uchtspringe komme, sei nach Wissen des Ortsbürgermeisters in den Sorgen von Eltern begründet. Mütter und Väter wollten ihre Kinder nicht in die Nähe des Ortes schicken, an dem vor sechs Jahren ein fünfjähriges Mädchen verschwand. Eltern hätten gegen das Gebiet aber auch schon vor dem „Fall Inga“ Bedenken gehabt, weil neben der Quellzone hinter einem Sicherheitszaun der Maßregelvollzug steht. Der Neubau mit 201 Plätzen ging vor fast 21 Jahren in Betrieb.

Maßregelvollzug neben Quellgebiet der Uchte.

„Wasser, Wald, gute Luft und eine Eisenbahnstrecke“ seien Gründe gewesen, warum Preußens Regierung 1894 die Landes-Heil- und Pflege-Anstalt eröffnete, zählt Schlafke auf. Im heutigen Salus-Klinikum würden etwa 800 Patienten behandelt, zu früheren Zeiten seien es rund 2000 gewesen. Das Klinikum hat vor einigen Tagen frisches Grün am Zugang zum Kneippbecken pflanzen lassen: neun Ulmen sowie Buchen, Birken und Eichen. Auch für eine Sitzecke an der Tafel „Landschaftsschutzgebiet Uchte-Tangerquellen“ wurde gesorgt, lobt der Ortsbürgermeister.

Kneipp-Becken an Uchtequelle in Uchtspringe.

Schlafkes Herz hängt an der Plätscherzone, die es vermag, Naturfans glücklich zu stimmen und hektische Zeitgenossen zu entspannen. Wer Glück hat, kann dort sogar einen fliegende Edelstein sehen. So wird der Eisvogel genannt, der für sein blau-oranges Federkleid bekannt ist. Bei einem jüngsten Spaziergang habe der Ortschef den spatzengroßen Hingucker erblickt. Eisvögel stehen für lebendige Flüsse.

Frisches Grün durch Salus-Klinikum am Rosenweg in Uchtspringe.

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