Jütting-Jubiläen 2014: Von Stendal in die Welt zog es Ford-Manager von Florida zurück nach Hause

Vermächtnis beflügelt Feingeister

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Ihr Wirken klingt nach: Die polnische Pianistin Eugenia Czerny (1907-2004) heiratete 1933 den Rolandstädter Hans Jütting (1909-1999). 1995 wurde das Paar zu Stendals Ehrenbürgern.

Stendal. Kosmopolit Hans Jüttings Weitsicht beflügelt auch 13 Jahre nach seinem Tod das feingeistige Leben seiner Heimatstadt.

Das Herz des Auswanderers, den es 1930 als 21-Jährigen zum Studium an die renommierte McGill-Universität nach Montreal zieht, schlägt erst recht auch in der Ferne für seine Heimatstadt. Jüttings Verdienst ist es, dass sich die größte Stadt der Altmark zum Treffpunkt begabter Nachwuchs-Musiker entwickelt, weil es der Weltbürger mit altmärkischen Wurzeln ermöglichte, dass die Katharinenkirche wie Phönix aus der Asche auferstand.

Die Wiedereröffnung des in instrumentalen Kreisen wegen seiner vorzüglichen Akustik geschätzten Konzertsaals mit klösterlicher Historie jährt sich 2014 zum 20. Mal. Im selben Jahr hatten die Jüttings auch den Sitz ihrer 1937 von Kanada aus zunächst in der Schweiz gegründeten Stiftung zur Förderung völkerverbindender Ideen vom feinen Baden-Baden nach Stendal verlegt. Und so dürfen die Verantwortlichen der drei Stiftungsgremien in Stendal nun für 2014 ein Doppel-Jubiläum vorbereiten.

Ein Jahr später wird es ebenfalls im Mai dann auch zwei Jahrzehnte her sein, dass die Hansestadt Stendal das Ehepaar Jütting mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet hat. Das Stifterpaar verlegte 1996 seinen Wohnsitz aus dem sonnigen Florida in die Rolandstadt, um „mit Freunden zusammen zu sein“, wie Hans Jütting seinerzeit erklärte. Der einstige Ford-Finanzchef starb am 22. September 1999 an seinem 90. Geburtstag in seiner Heimatstadt.

Die bevorstehenden Jubiläen zur Neueröffnung des Musikforums (siehe Info-Kasten) und des Stiftungssitzes in Stendal haben diese Woche auch eine Sitzung des Vorstandes tangiert, der zur Wahl stand und in seinen Ämtern bestätigt wurde. So fungieren weiterhin Heinz-Erhard Woltert als Vorsitzender und Michael Hentschel als Vize. Auch Ulf Drewes, Burkhard Vogel und Dr. Herbert Wollmann bleiben dem Vorstand treu.

Die Stiftung nahm 2012 aus Zinsen, Dividenden, Eintrittsgeldern und Spenden nach allen Abzügen rund 204 000 Euro ein. „In allen Bereichen wurde sparsam gewirtschaftet“, kommentiert der Vorstand die Entwicklung der Ausgaben des Vorjahres. Und daran hätte sicher auch Kosmopolit Hans Jütting hätte seine Freude.

Von Antje Mahrhold

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