Verlustliste 2021 umfasst 100 Exemplare

Stendals Stadtbäume leiden unter Trockenheit

Ein Zunderschwamm besetzt eine Rotbuche in Stendal.
+
Der Zunderschwamm, ein Pilz, befällt geschwächte Bäume. Hier trifft es die Parkstraßen-Rotbuche in Stendal.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
    schließen

Pilz, Krankheit und Tod: Die Stendaler Verlustliste 2021 umfasst 100 Exemplare. Die Stadtbäume leiden nicht zuletzt unter der Trockenheit.

Stendal – Die Stendaler Stadtbäume leiden nach wie vor unter der Trockenheit der jüngsten Vergangenheit. „Vermehrt sterben Birken, Buchen und Pappeln ab“, heißt es im aktuellen Bericht aus dem zuständigen Fachamt. Insgesamt 100 Bäume stehen auf der Verlustliste 2021. Darunter auch Ahorne, Linden und sogar Eichen sowie Exemplare weiterer Arten. Selbst der Götterbaum, den mancher noch für einen Exoten halten könnte, ist vor Unheil nicht gefeit. 86 Prozent all dieser Bäume sind innerhalb der vergangenen zwölf Monate abgestorben, einige mussten aus Gründen der Gefahrenabwehr bereits gefällt werden, die anderen folgen in den nächsten Wochen und Monaten. „Gerade bei Birken kommt es nach dem Absterben zu einem schnellen Holzabbau, der zu einer erhöhten Bruchgefahr führt.“

Die abgestorbene Säuleneiche am Landratsamt in Stendal wird ersetzt. Die anderen Schadbäume stehen eher versteckt.

Der Altmärker und seine Bäume, das ist eine besondere Beziehung. Wenn wegen Bauarbeiten die Kettensäge zum Einsatz kommt, kann das schon einmal Proteste auslösen. Erinnert sei beispielsweise an die Sanierung der alten Prachtstraße Schadewachten, die Bäume fielen im Vorfeld reihenweise. Der „Informationsbericht zu Baumbestandsänderungen“ aus dem Amt für Technische Dienste nennt ausschließlich Baumfällungen, die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Baumaßnahme stehen. Mit dem Papier befasst sich der Ausschuss für Stadtentwicklung am 3. November. Der Bericht davor datierte vom November 2020. Seit einiger Zeit interessieren sich Ratsfraktionen verstärkt für den Sauerstoffproduzenten und Schattenspender.

Kunststoffring soll Wasser halten

Die Hansestadt hat einen katastermäßig erfassten öffentlichen Bestand von circa 21.000 Bäumen, davon stehen etwa 5000 in den Ortschaften. Fachmitarbeiter haben dieses Jahr damit begonnen, Aktualität und Vollständigkeit zu überprüfen. „Aktualisiert wurden zunächst die Bestände in den Kitas und Schulen sowie auf den Spielplätzen.“ So seien auf diesen Flächen „mit einem hohen Anspruch an die Verkehrssicherheit“ knapp 1300 Bäume mit allen Stammdaten neu erfasst worden. Verkehrssicherheit meint hier, dass von einem Baum keine Gefahr für Dritte ausgehen darf. Wenn ein Baum augenscheinlich krank ist, muss der Eigentümer handeln. Und: Insgesamt 3700 Bäume in der Kernstadt wurden laut Bericht bereits mit ihren GIS-Koordinaten (geografischen Informationspunkten) aktualisiert.

Selbst die Götter im Namen helfen nicht

Bei Jungbäumen im ersten bis zehnten Standjahr seien durch zusätzliche Wassergaben die Anwachsbedingungen etwas optimiert worden. „Dabei sind teilweise erstmals Kunststoffringe um die Baumscheiben angelegt worden, die das Weglaufen der Wassergabe verhindern.“ Ein solcher Einsatz erfolge zum Beispiel bei Birken am Haferbreiter Weg. „Diese Jungbäume zeigten eine gute Vitalität und akzeptablen Zuwachs.“ Immerhin: Bei den übrigen Jungbäumen, jenen ohne Ring, gab es demnach nur einzelne Ausfälle, die auf Wassermangel zurückzuführen sind. „Problematisch sind immer wieder einzelne Jungbäume, die in Altbeständen zwischengepflanzt wurden. Der Pflege- und Kontrollaufwand für diese Exemplare ist sehr hoch.“

Kataster umfasst 21.000 Exemplare

Für die 100 toten oder todgeweihten Bäume sind insgesamt 101 Ersatzpflanzungen vorgesehen. Dabei werde „weiterhin auf eine breite Vielfalt von Arten gesetzt“. Neben heimischen Arten kämen wieder sogenannte Zukunftsbaumarten, die besser an das sich ändernde Klima angepasst sein sollen, zum Zuge. Grundlage sei eine Liste des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), einem Zusammenschluss kommunaler Grünflächenverwaltungen. Für die in diesen Wochen fälligen 227 Pflanzungen aus dem Bericht 2020 sind unter anderem Hopfenbuche, Esskastanie und Ungarische Eiche sowie erstmals neue Eschensorten und die Felsenbirne ausgewählt. Hinzu kommen bekannte Arten wie Linde, Ahorn, Apfel und Hainbuche.

Der Bericht nennt die Rotbuche an der Parkstraße in Stendal stadtbildprägend. Sie ist geschädigt und wird ersetzt.

Die Baumarten für die Neupflanzungen zum Bericht 2021 stehen noch nicht fest. Gepflanzt wird hierfür im Herbst und Winter 2022. Sollte ein Fällort nicht als neuer Standort geeignet sein, werde ausgewichen. Dabei kommen laut Amt ehemalige Standorte am Nordwall und der Bergstraße infrage. In Heeren soll am Weller Weg eine neue Baumreihe entstehen. Am Pappelweg in der Kernstadt soll der schmale Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Gehweg als Baumstandort aufgewertet werden, indem der wurzelbare Raum für den Baum mit überpflasterbaren Rosten vergrößert wird. Im Übrigen holt sich das Fachamt auch Rat von außen, von Gutachtern, allein derzeit werden 14 Bäume im Stadtgebiet auf diese zusätzliche Art und Weise beurteilt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare