Kevin van Geet wütend

„Verdammte Propaganda“: Jüngster Zirkusdirektor Europas schießt gegen Tierschützer

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Zunehmend frostig geht es in Deutschland zwischen Zirkussen und organisierten Tierschützern zu. Der 26-jährige Kevin van Geet aus den Niederlanden ist nach eigenen Angaben jüngster Zirkusdirektor Europas.

Stendal – Er könne es nicht mehr hören, er wolle es nicht mehr lesen. „Diese verdammte Propaganda sogenannter Tierschützer“, schimpft Kevin van Geet. Die Kritik einer Stendalerin passe da nur allzu gut ins Bild.

„Und was soll schon artgerechte Tierhaltung bedeuten?!“ Für den Niederländer, den nach eigenen Worten jüngsten Zirkusdirektor Europas, handelt es sich dabei nicht zuletzt um eines: um einen Kampfbegriff der Zirkusgegner. „Wir Zirkusleute lieben doch unsere Tiere, für uns sind sie wie eigene Kinder, sie sind Tag und Nacht bei uns“, will der 26-Jährige am AZ-Telefon seinen Ärger loswerden.

In Deutschland seien die Regeln für Zirkusse streng, amtliche Veterinäre stünden besonders verlässlich und regelmäßig auf der Matte. Richtlinien wie beim großen Nachbarn wünsche er sich auch für seine Heimat. „Dann hätten wir hier ebenfalls etwas Handfestes, was wir unseren Kritikern entgegenhalten könnten“, ist der junge Mann überzeugt. Er sei bereits als Moderator bei einigen Unternehmen in der Bundesrepublik engagiert gewesen. „Deutschland ist ein Musterland, was Kontrollen angeht.“ Hinter der Flut an Protestnoten lokaler Tierschützer stünde doch sowieso nur die eine große Tierrechtsorganisation Peta, behauptet er.

Wer einmal hinter die Kulissen geschaut habe, die Verhältnisse kenne, könne schon gar nichts gegen den renommierten Circus Probst haben, der momentan in Stendal gastiert. Van Geet hat den AZ-Artikel im Internet gelesen. Auch er selbst hole in seinem Unternehmen Pferde, Kamele und Hunde in die Manege. „Ein geeignetes Pferd kostet schon mal 10  000 Euro, es auszubilden zwei Jahre. Wir investieren und hängen uns rein.“ Ungerechtfertigte Kritik, so wie er sie begreift, sei Gift für die Branche. „Es geht hier um Familien, um Existenzen.“ Von einem generellen Wildtierverbot in Zirkussen will van Geet nichts wissen. Es käme für viele einem Berufsverbot gleich.

Für Kathrin Ludwig sieht artgerechte Haltung anders aus. Das Mitglied des Tierschutzvereins Nördliches Sachsen-Anhalt hatte in der AZ vom Mittwoch scharf gegen Zirkusse und Probst geschossen. Exoten wie Zebra, Kamel und Lama hätten nur unzureichend Auslauf, wären permanent eingesperrt, würden unzählige Autobahnkilometer transportiert und müssten in viel zu lauten Zirkusmanegen auftreten. Tierschützer machen verstärkt gegen Zirkusse mobil. Immer wieder einmal kommt es auch zu Protesten nahe dem Großzelt, so beispielsweise bei einem Gastspiel von Probst vor zwei Jahren in Osterburg.

Die Unternehmen betonen schon fast reflexartig, sich an die Spielregeln zu halten und führen wissenschaftliche Untersuchungen ins Feld, wobei die Gegenseite versucht, die mit eigenen Belegen zu kontern. Das Thema spaltet die Meinungen und bleibt auch im Bund ein politisch heißes Eisen. Das Stendaler Gastspiel von Probst steht eh unter keinem besonders guten Stern, weil zeitgleich das Rolandfest stattfindet. Die Familie sieht unnötige Konkurrenz, fühlt sich von der Stadt unzureichend informiert und befürchtet finanzielle Einbußen (die AZ berichtete). Inwieweit viel mehr Bürger als gedacht beide Angebote nutzen und Geld für Zirkus und Stadtfest haben, bleibt abzuwarten.

VON MARCO HERTZFELD  

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