Verbandsgemeinderat Arneburg-Goldbeck will mit Prozent-Regel Solarparks einschränken

„Nicht zugepflastert werden“

Rinder grasen vor dem ersten Solarpark in Goldbeck, der 2011 entstanden ist.
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Vor zehn Jahren ist in Goldbeck unter Regie der damals frischgegründeten Verbandsgemeinde der erste Solarpark auf einer Konversionsfläche gebaut wurden. Inzwischen wird wie bei Windrädern „Wildwuchs“ befürchtet.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Arneburg-Goldbeck – Weil sich die Verbandsgemeinde aktuell mit einer wahren Flut von Bauanträgen für Solarparks konfrontiert sieht, will das höchste Parlament Arneburg-Goldbecks mit einer Prozent-Regelung Vorsorge treffen.

Freiflächenanlagen größeren Stils sind derzeit etwa am „Haferbreiter Weg“ in Schwarzholz (Gemeinde Hohenberg-Krusemark) sowie in Baben (Eichstedt) und Bertkow (Goldbeck) geplant. Die meisten Anfragen aber sind für die Gemeinde Hassel bekannt. Und auch die Stadt Arneburg will ein Sonnenkraftwerk auf rund 25 Hektar nahe der Kreisstraße zum Ortsteil Dalchau errichten lassen.

Das im September durch die Hamburger Unternehmer Christoph Schmitt und Stephan Schmitt dem Arneburger Stadtrat vorgestellte Solarprojekt entstehe jedoch nicht auf einer Sonderfläche. „Es geht um den Entzug von Landwirtschaftsflächen“, betont Fachbereichsleiterin Simone Kuhlmann am Montagabend, als der Verbandsgemeinderat in der Arneburger Stadthalle tagt. Inzwischen gebe es für die meisten Solaranlagen „keine so strengen Vorgaben“ mehr, weshalb es angezeigt sei, als Regelungsmittel ein „Energiekonzept Solar“ zu erstellen. Obwohl dies „aufwendig und inhaltlich anspruchsvoll“ sei, befürworte die Fachbereichsleiterin ein solches Instrument.

„Wir brauchen für Solarparks ein Prozedere wie bei den Windrädern“, setzt sich auch Bauausschuss-Mitglied Wilfried Raup (CDU) für ein Gegensteuern ein. „Damit nicht die besten Böden verloren gehen und wir nicht jedem willkürlich ein Okay geben müssen“, begründet der Wischeraner. Ratsvorsitzender Norbert Kuhlmann (Freie Fraktion) befürchtet sogar „Wildwuchs“ und sieht im Dalchauer Projekt generell „Neuland“, weil auf Ackerland und nicht auf einer Sonderfläche Sonnenkraft geerntet werden soll. „Uns wird dasselbe passieren, wie mit den Windrädern“, will der Idener verhindern, dass die Verbandsgemeinde von Solaranlagen „zugepflastert“ werde. Diese seien „nicht schön“ und würden „spiegeln“, stellt sich Kuhlmann offen gegen den Park Dalchau. „Wenn wir dieses Tor aufstoßen, dann können wir niemandem mehr sagen, er darf keinen Solarpark bauen“, schätzt er die geplante Anlage außerdem auch als viel zu groß ein.

„Wir sollten einen prozentualen Anteil von Flächen für Solaranlagen pro Gemeinde festlegen“, pocht Ratsmitglied Alf Diedrich (CDU) auf die Dringlichkeit, schnell ein Gegenmittel zu schaffen. Deswegen solle die Fachbereichsleiterin mit Bauausschuss-Vorsitzendem Mike Bardehle (Bürgerliste/SPD/Linke) entsprechende Vorarbeiten auf den Weg bringen.

Wegen des bundesweiten Bedarfs an Energie schlägt Ratsmitglied Bernd Schulze (Freie Fraktion) Gegentöne an. „Irgendwo muss der Strom ja auch herkommen“, erklärte der Berger. Auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister René Schernikau (parteilos) unterstützt das Dalchauer Projekt. Solarparks eröffneten Landwirten die Möglichkeit für ein weiteres finanzielles Standbein. Auch sei der Ertrag aus Sonnenkraft oft viel höher als der aus der Landwirtschaft, nannte er ein Beispiel. „Wir bräuchten einen Flächennutzungsplan Solar“, sieht aber auch der Möllendorfer den Bedarf für eine Regelung.

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