Vater streitet Gewalt gegen Tochter (14) ab 

Verfahren am Stendaler Landgericht: „Papa hat mich geschlagen“

Die Jugendschutzkammer des Landgerichts in Stendal befasst sich mit einer vorsätzlichen Körperverletzung. Ein Vater wird beschuldigt, seine Tochter geschlagen zu haben.
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Die Jugendschutzkammer des Landgerichts in Stendal befasst sich mit einer vorsätzlichen Körperverletzung. Ein Vater wird beschuldigt, seine Tochter geschlagen zu haben.
  • VonLina Wüstenberg
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Die Jugendschutzkammer des Landgerichts Stendal verhandelte am Mittwoch einen Fall von vorsätzlicher Körperverletzung. Der Angeklagte soll seiner Tochter an den Haaren gezogen und anschließend mit der Faust in das Gesicht geschlagen haben.

Stendal/Königsmark – Das stimmt alles nicht“, sagte der Angeklagte zu den Vorwürfen. Er stand am Mittwoch wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Stendals. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass er am 11. Oktober 2020 seine 14-jährige Tochter an den Haaren gezogen haben soll. In der Anklage steht außerdem, dass der Vater das am Boden liegende Kind getreten und anschließend mit der Faust in das Gesicht geschlagen haben soll.

„Sie wissen schon, dass ein Geständnis bei einer Körperverletzung im häuslichen Bereich viel Wert ist“, mahnte Vorsitzender Richter Ulrich Galler. Der Beschuldigte bestritt weiterhin die Vorwürfe. Es sei zwar zu einer Auseinandersetzung gekommen, aber er habe seine Tochter nicht geschlagen. Auf die Frage, wie er sich die Verletzungen erkläre, antwortete er: „Als der Notarzt kam, stand ich draußen und sagte zu meiner Tochter, dass sie nicht lügen soll. Der Notarzt konnte auch keine Verletzungen feststellen.“ Es sei „alles nur eine Show“ gewesen, beteuert der Mann.

Anschließend rief das Gericht einen 24-jährigen Polizeibeamten als Zeugen in den Verhandlungssaal. Dieser hatte mit einer Kollegin am besagten Abend Dienst, als zwei Frauen mit der Sprachnachricht auf einem Handy in das Polizeirevier kamen. In der Nachricht habe die Tochter geweint und erklärt, vom Vater wegzuwollen. Vor Ort traf die Polizei auf den Angeklagten. Dieser sei kooperativ gewesen. „Ich habe den Angeklagten wegen der Körperverletzung belehrt. Er sagte aus, dass es zu einer Auseinandersetzung kam.“ Danach habe er nichts weiter zu den Vorwürfen gesagt.

Beule am Hinterkopf

Danach berichtete eine 21-jährige Polizeibeamtin als Zeugin, dass sie sich bei dem Einsatz um die Tochter gekümmert habe. „Sie hat geweint und gemeint, dass es Streitigkeiten gab und sie von ihrem Vater körperlich misshandelt wurde“, sagte die Polizistin aus. Sie konnte bei dem Mädchen auch eine Beule feststellen. Deswegen fragte die Verteidigerin des Angeklagten bei der Polizistin nach, wie die Verletzungen aussahen. „Die Beule am Hinterkopf war rot und ebenso der Rücken. Ein Hämatom am Auge konnte ich nicht erkennen.“

Auch die Mutter der 14-Jährigen sagte aus. „Meine Tochter hat meine Mutter angerufen, dass sie von dort wegwill.“ Nach dem Anruf seien sie zu zweit zur Polizei gefahren und anschließend zur Wohnung des Angeklagten. Dort habe sie ihre Tochter vorgefunden. „Sie hat sich die Hand vor das Auge gehalten. Ich habe gefragt, was sie dort hat. Sie sagte mir: ,Papa hat mich geschlagen’.“

Im Verlauf des ersten Prozesstages kam die Frage auf, ob die Mutter mit ihrer Tochter mit im Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren sei. Das bejahte sie: „Die Ärzte haben erst einmal nichts festgestellt. Erst am nächsten Tag war das Auge blau.“ Die Mutter gab weiterhin an, dass sie selbst zurzeit das Sorgerecht für die Tochter habe. Auch gibt es seit dem Vorfall kaum Kontakt zwischen ihnen. „Sie hat Angst.“ Bevor die Zeugin den Zeugenstand verlassen konnte, fragte die Verteidigerin nach, wie die Mutter von dem Vorfall erfahren habe. „Meine Tochter hat meine Mutter angerufen und sie hat mich dann informiert“, lautete die Antwort der Frau.

Gemeinsames Sorgerecht

Nach dieser Befragung war es der Verteidigerin wichtig, klarzustellen, dass ein gemeinsames Sorgerecht bestehe und dass die Frau nicht mit ihrem Kind im Rettungswagen mitgefahren sei.

Als letzte Zeugin wurde die 58-jährige Lehrerin der seinerzeit 14-Jährigen aufgerufen. Sie beschrieb ihre Schülerin als freundlich und hilfsbereit. „Sie besitzt auch ein Leistungspotenzial, das sie leider nicht ausreizt.“ Richter Galler wollte von der Lehrerin wissen, ob das Mädchen schon einmal gelogen hat, um anderen zu schaden. Dies sei nicht der Fall, erklärte die Zeugin. Sie gab aber an, dass die 14-Jährige gelegentlich Fantasiegeschichten erzähle. So habe sie einmal behauptet, dass ihre Oma verunglückt sei, obwohl dies nicht gestimmt habe. Sie versuche oft, Dinge zu beschönigen.

Der Vorsitzende verlas zwei Arztbriefe vom Oktober 2020. Demnach sei zunächst keine Prellmarke erkennbar gewesen. Die Tochter habe über Kopfschmerzen geklagt. Einen Tag nach dem Vorfall sei ein Hämatom am Nasenrücken festgestellt worden.

Die Verhandlung wird am heutigen Donnerstag am Landgericht Stendal fortgesetzt.

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