1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Campus in Stendal blitzblank im Fokus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Eine Überwachungskamera häng an einem Lichtmast auf dem Campus der Hochschule in Stendal.
Kameras wie diese hier vor Haus 3 neben dem Audimax gibt es etliche auf dem Gelände. Inwieweit sie was wann genau in den Fokus nehmen, bleibt bewusst unklar. © Marco Hertzfeld

Vandalismus und Überwachungskameras: Prorektor Prof. Dr. Wiedemer hält den Campus der Hochschule in Stendal für überraschend frei von Zerstörungswut.

Stendal – Die Hochschule in Stendal hat ganz offensichtlich wenig mit Vandalismus zu kämpfen: Sicherlich habe es in jüngerer Vergangenheit „mal eine Coronaparty“ gegeben, auch sei davor irgendwas „angekokelt“ worden und irgendwer habe einfach durch das Fenster eines Studentenwohnheimes geschaut, ob denn da wirklich jemand lebe. Zerstörungswut und Unfrieden schließt Prof. Dr. Volker Wiedemer „im Großen und Ganzen“ aus. Es passiere „überraschend wenig“ auf dem bewusst offen gestalteten Campus an der Osterburger Straße. Die eine oder andere Anzeige will der gebürtige Baden-Württemberger eher aus rein versicherungstechnischen Gründen erstattet haben. Volkswirtschaftler Wiedemer ist seit April 2018 Prorektor am altmärkischen Standort.

Wachschutz soll nicht überziehen

Den Campus frei zugänglich für alle zu halten, sei immer so gewollt gewesen, erläuterte Doreen Falke, Hochschulmitarbeiterin fast der ersten Stunde, dem städtischen Kultur-, Schul- und Sportausschuss. Anfangs habe der technische Dienst sicherlich zum Wochenstart Überreste von Partys wegräumen müssen. „Wenn ich montags zur Arbeit komme, erwarte ich längst keine leeren Flaschen. Das war vielleicht ganz früher einmal so.“ Ein Wachschutz habe ein Auge auf das Gelände und natürlich seien die meiste Zeit auch immer Kollegen vor Ort. Und: An mehreren Stellen gibt es Kameras. An der Hochschule Magdeburg-Stendal studieren gut 6000 Leute, davon circa 2000 in der Kreisstadt. Akademisch genutzt ist die frühere Kaserne in Stendal seit 2001.

Professor sieht Art Naherholungsgebiet

Ob der Wachschutz eine „abschreckende Präsenz“ zeigt oder zeigen soll, der Prorektor setzte vor den politischen Gästen ein Fragezeichen. Es laufe schlichtweg eh vieles in vernünftigen Bahnen. Anwohner halten sich demnach regelmäßig und gern auf dem Campus auf, gerade in Coronazeiten hilft die Weitläufigkeit des Areals. Und ja, das Hochschulgelände sei zu „einer Art Naherholungsgebiet“ geworden. Es gibt viel Grün, große Rasenflächen, dazu Bäume und Sträucher. Wiedemer verwies auch auf die Sportangebote unter freiem Himmel, von denen so gut wie alle von jedermann durchgehend genutzt werden können. Und noch einmal: Dass etwa der Sportparcours nicht großartig besprüht oder anderes beschädigt sei, habe „vielleicht etwas mit der Hochwertigkeit“ insgesamt zu tun.

Nachgefragt hatte am Dienstagabend Arno Bausemer. Der AfD-Mann merkte an, dass die Brücke an der künftigen Bahnstation „Stendal Hochschule“ beschmiert sei. Zur besseren Einordnung: Seit Monaten überziehen Unbekannte insbesondere die Altstadt und die Bahnhofsvorstadt mit Graffiti. Oftmals sind es Parolen, Symbole und Codes, die Polizei ermittelt und vermutet die Täter im linksradikalen Bereich (die AZ berichtete). Davor gab es immer einmal Schmierereien, unpolitisch und politisch, der verschiedensten Ausrichtung. Auch von solchen Sachbeschädigungen auf dem Campus konnte der Prorektor nicht berichten. Und: Die Bahnbrücke werde ja bekanntlich bald von Sprayern legal gestaltet. Der „Ehrenkodex“, besetzte Fläche wird nicht bemalt, solle ziehen.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Respekt vor Werten selbst ohne Kamera / Lehrgelände ein Vorbild:
Vertreter der Hochschule zeichnen ein sauberes und friedliches Bild vom Campus. Das ist auch vollkommen natürlich und legitim. Wer genau hinschaut, erkennt allerdings schon ein paar Schönheitsfehler. Lichtmasten sind von illegalen Klebeaktionen gezeichnet, an mancher Stelle liegt zu bestimmter Zeit Abfall. Weil das aber nicht groß ins Gewicht fällt, machen Prorektor und Kollegin auch erst gar nicht viel Wind darum. Und in der Tat: Das Konzept scheint zu einem beachtlichen Stück aufzugehen, bislang jedenfalls. Der offene Campus soll nicht allein Studenten anziehen. Verschiedenste Besucher achten das, was eigentlich allein Lehrkräften und akademischem Nachwuchs gehören könnte. Was Kameras und Wachschutz tatsächlich bewirken, wer weiß das schon. Wenn sich ein ähnlicher Gemeinschaftssinn auch für die von Schmierereien arg gebeutelte Altstadt durchsetzen ließe, Polizei und Ordnungsamt könnten einpacken.

Auch interessant

Kommentare